FRONT PAGE TITELSEITE

HEILIGES KINDERZIMMER

MODEL: 1000 x 400 x 15cm

Konzept

Die folgende Aufgabe wird fünf Kindern - nicht älter als acht Jahre - unterschiedlicher sozialer/kultureller Herkunft gestellt:

“Malt ein Bild von der ganzen Welt mit allem darin. Macht es so gross wie ihr wollt und malt so lange wie ihr wollt!”

(Die Kinder sollten ohne weitere Anleitung und allein arbeiten.)

 

Raum/Zimmer 1

Einzelne Elemente aus jedem Ergebnis, vergrößert und übertragen auf Styrodur-Platten (Acrylfarben und Over-Head Projektor). Die gesammelten Ausschnitte sind freistehend oder hängen von der Decke und bilden, gegenüber dem Eingang parallel zu einem anderen, inerhalb der Gallerie den größten Raum.

Ein schwerer Vorhang hängt vor dem Eingang, unter dem ein Pappfussweg sich innen und außen um die Objekte windet.

 

Raum/Zimmer 2

Stellt eine große Anzahl von Kinderzeichnungen-und Gemälden (A4) zu einem gemeinsamen Thema dar: Engel.

 

Raum/Zimmer 3

Zeigt die Originalarbeiten der fünf Kinder (Gerahmt und unter Glass).

Der Künstler wird entweder eine der Arbeiten oder wie wie zuvor, Elemente aus allen fünf auswählen, und darauf ein einzelnes großformatiges Bild - "Holy Playroom" basieren.

 

Kommentar

Raum/Zimmer 1

"Holy Playroom"

Der unmittelbare Effekte der Ausstellung ist zweifellos theatralisch. Eine mystische Landschaft, in der der eingeladen ist sich zu bewegen und zu reagieren, wurde oberflächlich im Collagen - Format konstruiert.

Zusätzlich ist beabsichtigt, daß er eine oder mehrere einer bestimmten Anzahl von weiteren Erfahrungen passiert, bevor er seine Schritte zurückverfolgt und durch den geschlossenen Vorhang heraustritt:

A. Respekt

Durch das Plaziren von Kinder-Kunst* in dem Raum, der normalerweise den erwachsen Genies vorbehalten ist:

Eins: Sie werden in einer dem Erwachsenen verständlichen und angenehmen Art und Weise präsentiert, die ihrerseits einen kurzen kostbaren Augenblick Zeit haben Kunst außerhalb von "Marmorsockeln" zu entdecken;

Zwei: Beiden, sowohl den Objekten als auch ihren Schöpfern wird eine Beachtung zugestanden, die ihnen nur selten in der ernsten Welt der "Ausgewachsenen" zuteil wird.

*solche Kunstwerke oder Kritzeleien werden normalerweise bestenfalls als niedlich erachtet und ihnen ist bestimmt - wie auch immer widerstrebend, vielleicht nach 10 Jahren in einem Keller begraben - in der Mülltonne zu landen.

B. Rollentausch

Gemessen an den großen Dimensionen der raumfüllenden Objekte, wird der erwachsene Besucher auf seine formativ Dimension reduziert und die Rollen sind vertauscht, so Daß er kindlich wirkt im vom Kind erschaffenen Raum.

C. Nostalgia

Es ist zu hoffen (wie es wohl bei allen Ausstellungen erhofft ist), daß der Grad des Wunders vom Besucher erfahren wird, wenn er den Pappfussweg geht und dabei die Bilder erforscht und betrachtet, die ihn konfrontieren. Vielleicht lösen diese Bilder Wahrnehmungen und Erinnerungen an seine eigene Kindheit aus, bestärken das Gefühl, daß er zurück ist, für einen flüchtigen Augenblick, im heiligen Kinderzimmer, in dem der Geist seiner Kindheit für immer wandelt.

 

Raum/Zimmer 2

"Icons"

In seiner Zeichnung ist es dem Kind unmöglich die Einflüsse der Standardsymbole, die ihm durch elterliche, soziele und kommerzielle Erziehung gelehrt wurden auszublenden. Zeichen wie zum Bespiel eine lachende Sonne, eine schwarze Wolke, ein Panzer mit rennenden Strichmännchen, oder ein Teletubbi, sind gefördet vom Erwachsenen in seiner Eile, um ein umfassendes Maß an kommunikativen Fähigkeiten auf der frühesten Stufe zu erzwingen.

Diese Symbole sind Ausdruckswerkzeuge, die dem Kind gehören, um später alles zu sein ohne sie abzulegen.

Der Engel - anders als die Prinzessin - ist eines der Zeichen, daß durch seine Mehrdeutigkeit seine Legitimation bis ins Erwachsenenalter behält - und darüber hinaus...

 

Raum/Zimmer 3

"Re-reverse" (Um-Umkehr)

Die Welt des Kindes, durch den Künstler uminterpretiert.

Genau wie das Kind, daß nicht erklären, jedoch seine Kunst der Sprache der Erwachsenen anpassen kann, kann der Künstler in diesem Fall nicht widerstehen sich an der Kunst des Kindes zu schaffen zu machen.

 

________________________________________________

 

Jedesmal wenn ein Baby geboren wird, wird Kunst mit ihm geboren - das ist der prinzipielle Unterschied zwischen der Menschheit und allen anderen Kreaturen auf diesem Planeten.

Wie auch immer, während der ersten Periode der entwicklung ist die Kunst, wie ein einzelliges Ding, von kleinstmöglicher Bedeutung. Sie entwickeln sie zweiseitig, während der Kindwert die Welt erfährt, deutet und nachahmt, findet er sich darin selbst. Während das Kind langsam wächst, erobert sich die Kunst virusgleich einen Halt - das, ob er es weiß oder nicht oder will oder nicht.

Wenn er erwachsen ist sammelt er die Bruchstücke seiner Kunst vom Kinderzimmerfußboden und stellt sie auf einen Sockel. Wird er ein Künstler wird der Sockel zu Marmor und die Kunst erhält ihren bedeutenden A ("Art"). Zusammen werden sein Werk (obgleich er verächtlich als der Part der Gesellschaft angesehen wird, der nie arbeitet) und sein Werk wird ausgestellt in einem heiligen Zimmer, das Gallerie heißt (oder wenn er tot ist Museum), wo es als bedeutsames Etwas verehrt wird.

(Doch was Etwas zu Etwas bedeutsames macht unterscheidet sich von Individuum zu Individuum. Das ist der bedeutendste Punkt, wenn es um bedeutende Dinge geht.)

So lang wie der Künstler lebt ist sein Werk Teil seiner selbst, obwohl es in luftleere, sterile Räume genagelt ist, ist es ein lebendiges, ein expandierendes Etwas.

Wenn er tot ist sind die Überreste seines Werkes seine Todanzeige, und der sterile Raum sein Mausoleum.

Grant application unsuccessful.
Holy Playroom is therefore
ANOTHER PROJECT WAITING TO HAPPEN!

Berlin, 26.2.2001

TITELSEITE