Oft gestellte frage: Wer zum Teuffel ist Wally?WALLY'S LOG 2007
Übersetzt von Marie-Cécile Lutta (ausser welche e-mails)
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February 23
Liebe BarTime Team,
"Art Pub Wallywoods" existiert nicht mehr – es ist leider letzte Woche pleiter gegangen. Bitte nehmen Sie es von ihren Website raus.
Gibt's jetzt nur Galerie Wallywoods in Weissensee (sehe www.wallywoods.com...)
Danke,
P.Woods.
(ehe. Art Pub Team)
September 10
LIEBE ALEX
Ich hatte doch kürzlich Paul versprochen, mich wegen des Wallywoods mal am "politischen Tisch" umzuhören. Folgende mail habe ich bekommen:
"...Das Peter Edel soll in den nächsten Wochen vergeben werden an einen neuen Träger. Beworben haben sich eine Schauspielschule aus Friedrichshain, dazu der Weißenseer Verein, der jetzt schon im Peter Edel arbeitet und als Dritte im Bunde "Canteatro" aus dem Prenzlauer Berg. Außerdem gibt es einen Investor, dessen Name niemand nennen will, der aber wohl auf dem ganzen Gelände investieren möchte und dafür im Gegenzug das Haus mit dem großen Saal wohl nicht das gesamte Kulturensemble - sanieren soll. Als Betreiber kommen aber letztlich dann nur wieder die anderen drei in Frage, da der Investor sicher keinen Kultumanager mitbringen wird.
Das Bemühen ist da, dass diejenigen, die vor Ort sind, weiter bleiben oder als Kooperationspartner im Haus bleiben. Je nach Entscheidung, wer das Haus bekommt, wird das konkret anders aussehen - besser und schlechter. Die beste Lösung für alle möglichen Angebote und gute Kooperationen scheint mir bei Canteatro gegeben zu sein - aber das ist nur ein Eindruck.- Mein Tipp wäre: immer schön vor Ort und präsent sein und bleiben und versuchen, die Galerie zu etablieren..."
(Basically she's saying, Canteatro seems most sensible to take over. But she advises to stay put, show presence and try to establish the gallery. A.Tornado)
Juni 13
LIEBES TAGEBUCH
Danke, ganz gut. Zur Zeit sehr gut. Aber oft lethargisch. Ich weiss, ich sollte mehr schreiben, aber ich lasse mich ablenken. Na ja... es ist das sozial Leben, was mich umbringt. Es fällt mir schwer aufzustehen. Sonst nichts, nichts zu beklagen. Der Sommer explodiert. Die Berliner entspannt, oder die meisten. Ich habe gerade eine neue Nachricht von den „vielleicht, vielleicht nicht“, neuen Galerieräumlichkeiten bekommen. Die Diskussionen finden jetzt mitten in diesem angesehenem Haus statt: Man wird es mich bald wissen lassen. Die gehen über alles mit einer Lupe, wahrscheinlich über das letzte Konzept, was ich mit Katja zusammen bei ihr, vor ein paar Wochen geschrieben habe, (klicken sie hier). Mit einbegriffen eine Liste mit 229 Künstler, Fotografen, Bands, Solo Musiker, Schriftsteller und andere Performer, von Wallywoods seit Oktober 2004 präsentiert. Habe sie bis zu den Betriebskosten runtergehandelt, mit Kathrins essentieller Hilfe; fünfhundertfünfundzwanzig im Monat, genau das, was ich mir leisten kann. Halt. Blödsinn. Ich bin wie immer pleite. Muss ein paar wichtige Rechnungen bezahlen, eine davon zweihundert Scheine für die Elektrizität von der Kopischstrasse, die ich nie benutzt habe – es scheint, dass ich gescheitert bin die richtigen Computer zu informieren, als ich ausgezogen bin. Diese schönen und unwichtigen Neuigkeiten von Gerhard, dem ich an diesem Wochenende auf dem Bergmannfest begegnet bin. Lebte für zehn Tage bei Cécile, als die Mutter von Lukas zu Besuch in die Wohnung gekommen ist. Wie in alten Zeiten. TV, Badezimmer, Steak Abendessen und Pot bis zum umkippen. Macht nichts, Gerhard ist ein guter Mann. Er hat das nie verdient, was diese Sendelbach Arschlöcher ihm angetan haben. Sie haben es uns allen angetan. Er ist jetzt auch draussen von dort, niedergelassen im Wedding oder Neukölln oder sonst wo. Bevor er auszog, musste er mein ganzes Zeug ausräumen, was ich noch dort in der Galerie gelassen hatte; Einige Sofas, Stühle, Poster, Altes Essen, A.P.S. Socken; Und Wallys grosse Kiste mit Privatfotos, glaub ich, (ich kann sie nirgends finden); Unersetzbare Beweisstücke, welche zwanzig merkwürdige Jahre seines vorherigen Lebens abdecken. Na ja. Die waren mal ausgestellt, ausgestreut auf dem Teppich dort im hinteren Zimmer. Wally ist ein Idiot, wenn ich so sagen darf. Die Hälfte, wenn nicht alles davon, hätte er schon vor Monaten retten sollen. Ich brauche ein Sofa für mein angenehmes, aber spartanische Zimmer hier am Prenzlauerberg, und ein anderes für das gute Weissensee – wenn es weitergeht. Wenn es weitergeht, wird sich wieder alles ändern. Gut so. Ich habe meine Emotionen jetzt vom Fart Pub amputiert, und brauche eine neue grosse Herausforderung. Eine, die ich ganz kontrollieren kann, und deshalb auch korrekt zum funktionieren bringen kann. Anfangen werde ich mit einer Gruppenausstellung, namens „10“, wie es in der Bewerbung beschrieben wurde, mit zehn Künstlern aus zehn verschiedenen Ländern. Ein wenig ein Klischee, aber trotz allem eine gute Idee. Werde jeden um eine Spende bitten, um auf die erste Monatsmiete zu kommen. Alles ist ausgearbeitet, jetzt brauch ich nur noch den verdammten Ort. Und Geld. Ich träume davon. Weissensee... Der perfekte Ort für einen Big Chair Überfall. Werde ein paar Monstrositäten entwerfen, um sie um den See herum zu schmeissen. Aber zuerst die Papierarbeit. Wieder denke ich darüber nach, einen Verein zu gründen, um mehr Leute mit hineinzuziehen, mit besseren Chancen für ein Sponsoring, einfacher zu veranstalten. Einfacher zum Schnaps verkaufen. Katja lebt um die Ecke vom Peter Edel, und ging gestern Sonnenbaden in den Park (sie hat kürzlich ihre Arbeit aufgegeben, nach Jahren von Füttern und Waschen von Behinderten) und entdeckte einen kleinen Mann, der dreckige Fenster putzte. “Das sind Wallywoods Fenster!“, denkt sie, richtig oder falsch, und telefonierte Wally, der gerade die E-Mail schrieb, auf welche er heute die Antwort bekam: bitte warte ein bisschen länger, die Götter kreieren die Papier arbeit.
Am Freitag werde ich fünf Minuten lang im Garten vom Acud lesen, für das zweite Veröffenlichungs-Release von Bordercrossing Berlin. Dieser Abend ist die Vorversammlung der Party der Organisatoren und anderen, die mit der Veröffentlichung zu tun haben, in einer Wohnung um den Kollwitz Platz herum. Daneben Fiona, ich erkenne keine der Namen auf der Liste von die Autoren. So viel lese ich! Lass uns also sehen, wer sie sind. Das Hauptziel für diesen Abend; ich muss klarmachen, dass ich im Acud etwas anderes vorstelle, als die Texte, die sie ausgesucht haben zu veröffentlichen, „Notiz auf braunem Papier“ und „Notiz auf blauen Papier“. Ich habe zehn Texte und Gedichte geschickt, und die haben die zwei am wenigsten fertigen genommen. Nicht, dass es gross was ausmacht – ich bin wirklich glücklich und aufgeregt, das sie überhaupt etwas akzeptiert haben. (Hätten sie nicht, ein verblüffter, sprachloser Paradox Paul wäre durch die Stadt stampfen mit einer ziemlichen Wut, bis zum Ende des Jahres.) Wichtig ist - darin bin ich schnell im lernen in der Montag Sessions im Pub und anderwo - wenn ich etwas lese bin ich sicher es ist fertig und/oder gut genug, um es in die Welt zu katapultieren. Sonst stolpere ich, und gebe sogar vor dem Ende dummerweise auf. Je mehr ich auf die beiden Texte schaue, so sehr ich sie auch mag (Vater mochte immer die Braunen – ich denke aus den selben Gründen, wie es das Gremium von Bordercrossing mochte), desto mehr bereue ich es ihnen geschickt zu haben. Für das Buch werden sie auf alle Fälle neu geschrieben.
Mai 22
MONTAGS
Jetzt fange ich langsam aber sicher mit den wöchentlichen Writer’s und Performer's open stage Abenden im Pub an. Der Montag nachdem Fiona gelesen hat, sassen vier von uns auf der Bühne, die einzigen im Raum, die verschiedene Texte vortrugen. Xandi's neue Übersetzung von diesem alten, Gebrochenen Liebesbrief an Krisztina war eine Schinderei für ihn, aber es ist gelungen. Dann sind wir durch Seltsames und Schweinisches gegangen, zusammen mit Cécile, die sich gemeldet hat The Spy zu übersetzen; beide Versionen, die wir am Montag drauf gelesen haben, das war ja schon Gestern, war viel besser besucht und war sehr angenehm. Wie zivilisiert. Die Leser waren der Vorsitzende Alan Layton, Glies Schumm, Birgit Kreipe, Sir Thomas (er hat plötzlich angefangen kurze schüttel Gedichte zu schreiben), Jack, uns vom Tea Room her bekannt (der wahllos aus einem Buch gelesen hat, welches er an diesem Tag auf der Strasse gefunden hatte), Cécile las eine Geschichte von Katja (fabelhaft erotisch, etwas über Priester und Petticoats; Katja meinte danach, dass sie Cécile den falschen Text geschickt habe!) und Paradox Paul.
Am Montag dann, ein neuer Höhepunkt in Wallys Woche – speziell, weil die letzte Kaffee Burger Party (featuring die GREAT Musik und Performance von Babel Embassy) wircklich die letzte bis September war.
Mai 9
EIN HAEUFCHEN LESUNGEN
überall in der Stadt, um ein bisschen zu üben. Ich mag es immer noch nicht; bin zu nervös. Zu der Creative Writing Group am letzten Freitag, irgendwo da draussen im Westen, habe ich zwei Gedichte mitgenommen. Entschied im Zug, irgendwo da über dem Parlament, dass „I, Your Bribe“ eher leicht unfertig oder vollkommen verdammt unfertig ist, und ich habe wieder „That Sticky Place“ gelesen, statt dessen. Ein Mann hat es wiedererkannt von der Aufnahme in MySpace von Bastard Poetry Slam her, die ein bisschen peinlich war, aus uninteressanten Gründen. Aber das Ziel vor allem war es, einen Übersetzer dafür zu finden, und ich schätze, ich habe ihn gefunden. Dieser deutsche Junge, sieht aus wie 19, klingt wie Oxbridge, hat sich am Schluss freiwillig gemeldet, als ich davon sprach. Er rezitierte eine humorvolle, wenn nicht langweilige, eng getippte, drei seitige Rock Geschichte von einer unanständigen Spinal Tap-mässig Band, genannt... er... kann mich an nichts erinnern. Cécile seufzte und stöhnte, während er sein verdammtes Zeug las, so wie die Hälfte der Gruppe auch seufzte und stöhnte, aber nach Innen. Der Text jedoch war gut, sein Englisch erste Klasse. Und so erinnerten ich andere uns daran, wie wir schreiben konnten, als wir noch klüger waren, wie wir jetzt sind. Er hat sogar über seine eigenen Witze gelacht, grossartiges Zeug! Während Cécile und ich uns fragten, wie oft er schon nach Backstage gegangen ist, seine Kritiker wiesen ihn zurecht, dass er eine Art von Rock'n'Roll Journalismus gemacht habe, besser passend zu „einem Platz junger Leute“. Na ja, was auch immer. Was gab es da noch? Ein gelehrter Deutscher, ziemlich alt, las einiges in gelehrtem Deutsch. Wieder hat diese Frau aus Afrika gelesen, zwei Gedichte, und wieder wurde sie im Grossen und Ganzen gelyncht, wegen ihrem ersten, das doch schwach war. Nach dem Angriff, murmelte der letzte der Lyncher etwas über das zweite Gedicht – bei allem Respekt, wirklich ein wunderschönes Ding – „Blah blah blah. Zum zweiten Gedicht... das ist Ok.“ Nachdem wir uns in der Pause rausgeschlichen haben für einen Schluck und einen Zug von irgend etwas (die einzigen, die Luft brauchten – wir sind so unhöflich) wir kamen zurück, und dann habe ich meins gemacht; eine grosse Stille brach aus. Einer nannte ohne Grund Shakespeare, so habe ich es verstanden; ein anderer fragte (ganz richtig), ob das Ding tatsächlich ein Test ist. Jemand sagte, er hätte es geschrieben, er hätte es in Müll schmeissen sollen. Nachdem ich ihn unter Druck gesetzt haben, gab er zu, er wäre nicht mutig genug es in dieser Form zu lassen. Der kluge Typ von gegenüber regte sich darüber auf, dass diese Hirnsuppe kaum fassbar sei, „...einer muss, nach all dem, auch den Leser berücksichtigen.“ Ja, ja. Dann wunderbar gestikulierend, dachte ein grosser, alter Deutscher Kerl, „That Sticky Place“ würde irgendwie zu Musik passen. Er sagte es sollte vorgetragen werden mit einer lauten Stimme vor Eintausend Menschen, und dann bei der letzten Zeile sollte ein Orchester in Aktion treten. Nach dem Kampf, habe ich vergessen nach der Adresse des junge Typs zu fragen, wir nickten uns Aufwidersehen zu, zu diesen guten Leuten, und verliessen den Ort gutgelaunt.
Am Sonntag im „Lauter Niemand“, hat Katja aus einem alten Gegner Magazin gelesen, A.Krohn's Übersetzung von dem vor kurzem wieder aufgetauchten „Fisch Fuck“. Es ist schon sehr erotisch, das streite ich nicht ab. Aber Katja schätzte immerhin die traurige Liebesgeschichte. Drei oder vier Männer (zwei davon jünger als ich) haben es absolut nicht gemocht, das Unverholene und die wiederholten Bezüge zu Sex. Nein nein nein! Zu viel Sex. Das ist immer noch Poesie, bitte sei ein bisschen ehrfürchtiger. Mit zwanzig Leuten vor Ort, die Hälfte davon Frauen (die Hälfte davon so fischig, wie jeglicher Traum), keine einzige der Frauen hat sich über den Sex aufgeregt. Ich habe keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Ich erwähnte (die Männer abwehrend) die Existenz zynischer Liebesgeschichten, wie Leonard Cohen. Dann ein freundlicher Mann aus dem Irak, den ich langsam über seine abstrakten, wenn nicht absurden Kommentare kennenlerne, sagte, so ein Ding kann es doch gar nicht geben. Ich sagte ihm ich käme aus London. Die einzigen technischen Kommentare, kamen von den älteren Kerlen vom letzten Mal, der eine der mir gesagt hatte, ich soll den Anfang und das Ende von „Eimer“ weglassen. Diesmal ist er sich ganz sicher, „Fish Fuck“ würde besser als ein Ganzes funktionieren, wenn ich die ersten Paragraphen weglasse.
Am Montag, haben wir wieder ein „Stories in Colour“ offene Lesebühne im Pub gemacht. Das war das Beste jetzt. Sehr englisch trotz ihres Namens, Fiona Mizani, sie brachte Gäste (Gäste!) und las uns drei ihrer extrem englischen "Mr and Mrs" Geschichten vor. Alan, der glücklichst für seine zweiwöchigen Abende übt, wo er Gastgeber ist, las seine typischen Kleinigkeiten und Stücke, wie es auch P.P. tat, der von Cécile begleitet wurde, die einiges aus den Übersetzungen dieser Tagebücher vorlas; Birgit hat eine Geschichte auf Deutsch gemacht, so ergreifend und so ernst, ich hätte es nicht verstanden, auch wenn es lustig gewesen wäre. Eine junge Frau mit nassen Füssen (die meisten von uns sind angekommen, wie es draussen geschüttet hat, die überschwemmte Strasse floss gegen Mitte), ich glaube sie heisst Natascha, sie trug zwei Gedichte in Englisch und zwei in Deutsch vor. Ja, sehr hübsch. Später noch ein wenig Klavier gespielt und gesungen, so war es (P.P. and M.C.), tauchten zwei Typen auf, einer nach dem anderen, um jeden im verrauchten, feuchten und versoffenem Pub zu beeindrucken. Einer hat Yeats gemacht; einfach auswendig. Ein langes blutiges Ding, als ob er es auf einer Schule gelernt hätte. Super. Weiter so, Mann.
Ich wurde heute Abend von Kai eingeladen die K.B. Bühne zu erstürmen, wenn ich Lust dazu habe, um dieses doofe Stück Scheisse zu lesen, ein Stuck Spam, welches sie in das neue Floppy Myriapoda aufgenommen haben. Es ist ungefähr acht Zeilen lang. Es lohnt sich nicht dafür bekifft zu sein. Wie auch immer. Ich fragte, wann Bert lesen wird, und mit dem grünen Licht von Cécile, habe ich denen, die am Montag noch bewusst übrig geblieben sind erzählt, dass ich auch vorhabe den kleinen unbrauchbaren Syntesizer zu nehmen und ihn kaputt zu schlagen, und wunderbar einen Teil von Berts Show zu sabotieren.
Wie dem auch sei, wie dem auch sei. Jetzt ich habe keine Lust. Ich habe fast zwei Tage lang nur geschlafen, und ich spüre ich brauche einen Haarschnitt. Ich sollte ganz verlegen warten, bis Bert fertig ist, sollte ganz verlegen die Zeilen lesen, dann verlegen die Bühne verlassen, ohne einen Knall. Wenn alles gut läuft.
Mai 4
EIGENTLICH
war es mein Mitbewohner Lukas, der 3D Ingenieur, der das Problem gelöst hat, und der die endgültige Version gefunden hat. Das Englisch war verwirrend. Er dachte die elektrischen Kabel sollten nicht wirklich ins Wasser getunkt werden. O.K. So jetzt haben wir:
"Zurück in seinem Zimmer nahm er die Drähte und Röhren ab die den Motor mit dem Gefrierfach verbunden hatten. Dann gab Er die Kühlelemente mit improvisierten Verlängerungen in den Zinneimer, der Kohlen entledigt und mit Wasser befüllt hatte."
und in perfect english:
"Back in his room he disconnected the pipes and wires which linked the motor to the freezer compartment. He then fed the freezer elements with make-shift extensions into a tin bucket which he had emptied of coals and filled with water."
Mai 1
ES BEFINDEN SICH
einige von mir abgesegnete Texte in der Übersetzung ins Deutsche die später in P.P.s erstem Buch veröffentlicht werden. Diese Arbeit wird vorraussichtlich das gesamte Jahr beanspruchen. Quatsch! Es wird eine verdammte Weile länger dauern. Egal. Was dieses Tagebuch angeht: Cécile hackt sie täglich schneller in die Maschine, als ich schreiben kann. Sie meint, sie sei schon süchtig danach geworden. Das harmoniert wunderbar mit ihrem Charakter und auch mit meinen Zeitplan.
Die Texte müssen wieder und wieder überprüft werden. (Klicken sie hier zu denen, die bis jetzt gemacht sind). Zum Beispiel. Ich dachte Renés Version von „Eimer“ sei fertig und fehlerfrei, und das ist es auch, fast. Bis Helge einige kleine Fehler fand, jetzt richtig gestellt; Dinge, die ich nie bemerkt hätte, auch ein ganz krasses, wie vorher zitiert.Seine eigene Version von „Manthing“ (Mannding), vor kurzem beendet nach drei Nächten harter Arbeit, finde ich das einen schwierigen Fall zu entscheiden. Technisch gesehen, ist es trickreich auf verschiedene Art und Weise – mit dem Titel anfangen, der offensichtlich im gesprochenem Deutsch doof ist. Der Perfektionist, der ich bin, zweifelt bei solch laschen Uebersetzungen. Die Bilder, die ich in meinem Kopf habe, die ich zu beschreiben versuche, sind irgendwie zu verändert, irgendwie destiliert (oder meine ich verwässert?). Sonst aber ist Helge einer der Besten in diesem Geschäft; er kennt mein Schreiben gut, und mich. Also werde ich bei „Dieses Ding“ bleiben (der Kompromisstitel auf den ich bestanden habe; Helge zog „Mannn“ vor), bis ein besserer auftaucht: oder eher, ein noch grammatikalischer und lebhaft akkuraterer. Wie gesagt, es gibt keine Eile mit dieser Arbeit.
Hier ein GROSSES DANKE SCHöN an alle die bis jetzt geholfen haben!
Und hier ist eine kleine Korespondenz zwischen zwei Pissheads von Dichtern:
Hallo Wally,
Das ist wieder eine freie Übersetzung (ich bevorzuge immer freie Übersetzungen). Vielleicht solltest du noch einen anderen Deutschen fragen, um die beiden Übersetzungen zu vergleichen, statt eine dritte, neutrale Meinung zu bekommen:
„Zurück in seinem Zimmer klemmte er das Gefrierfach vom Motor ab. Er leerte den metallenen Kohleneimer und füllte ihn mit Wasser. Dann verlängerte die Kabel und Röhrchen am Motor, um ihn mit dem Eimer zu verbinden.“
(René Schwettges:) „Zurück in seinem Zimmer klemmte er die Kabel und Röhrchen ab, die Motor und Gefrierfach verbanden. Er zog diese mittels Behelfsverlängerungen bis in einen Zinneimer, aus dem zuvor Kohlen und in den Wasser geschüttet hatte.“
(Original:) „Back in his room he disconnected the pipes and wires which linked the motor to the freezer compartment. These he fed with make-shift extensions into a tin bucket which he had emptied of coals and filled with water.“
Ich schicke dir auch ein glückliches deutsches klasisches Frühlingsgedicht, was ich dieses Wochenende mit Gewalt genommen habe, es in ein depressives verkrüppeltes Miststück veränderte:
Er ist’s (Eduard Mörike, 1829)
Frühling lässt sein blaues Band
Wieser flattern durch die Lüfte;
Süsse wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
-Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling ja du bist’s!Dich hab ich vernommen!
Sie ist’s (Helge der Hinterhofdichter, 27.4.o7)
Schwermut schwarzer Schreckenszwirn
Schneidet durch die Frühlingslüfte.
Aetzend: wohlbekannte Düfte
Martern schonungslos mein Hirn.
Teufel lachen schon,
woll’n michbald verdriessen.
-Horch, ganz nah: der schrille Peitschenton!
Schwermut, ja du bist’s!
Dich will ich erschiessen!
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Super Helge,
Danke – Ich werde es so wie es ist benutzen. Auch schöne Gedichte. Ich mag das zweite. Muss zu den Hexen eilen...
P.P.
Wally,
Was meinst du mit schönem Gedicht?
Klar, das Original ist schön, blöd!!! Es ist eins von den berühmtesten deutschen Gedichten aller Zeiten! Und die Adaption von Helge dem Hinterhofdichter, ist überhaupt nicht schön!!! Es ist tiefe depressive Gehirnscheisse. Aber alles okay, ich sehe du bist in Eile. Sag den Miststücken hallo, ah, Hexen, und erzähl ihnen von der goldenen Mehldusche, welche aus meinem pulsierenden Kraftturm ausströmt, wenn ich darüber hachdenke.
A bientôt,
Helge, l'idiot de l'inter'of.
Ps Helge!
Im Augenblick denke ich, dass deine Übersetzung (Bucket) in diesem Fall ZU frei ist! Meinst du, du könntest es noch einmal versuchen?
Wally.
Hi Wally!
Keine Sekunde versuchen!!! Ich habe Gestern das Beste aus meinem Hirn rausgedrückt und ich kann dir keine bessere Übersetzung geben, sorry. Wie auch immer, die freien Übersetzungen sind die besten, ich bin mir sicher! Beispiel: Paul Zechs Übersetzung von den Gedichten von Francois Villon! Wenn du die erste (Renés) bevorzugst, macht nichts, ist o.k. für mich. Hol dir die Meinung eines Deutschen!
Helge.
(Helge, ich dachte, du bist ein Deutscher?)
April 6
BASTARD
Habe vorige Nacht entschieden, mit Kai Pohl, für mich das zweite Mal und für ihn das erste, am Poetry Slam im Bastard teilzunehmen. “Vogelscheuche“ werden wir lesen, ich das Original auf englisch, er die deutsche Übersetzung von Ann Cotten, die so viel ich weiss nicht seine Schwester ist. Wir trafen uns im Pub um 20 Uhr, Kai war schon betrunken, eigentlich noch betrunken von der Nacht zuvor. “Du weißt, vor halb zwölf wird es nicht los gehen“, sagte ich, ich ging davon aus, dass er es leicht nimmt. „Mach dir keine Sorgen um mich“, sagt er, und ich denke, Bollocks, wen kümmerst, und sage, „Alles in Ordnung, mach weiter“, was er glücklichst auch tat. Wir kommen zum Bastard, und die sind seit Tagen ausgebucht, aber ein oder zwei erinnern sich an Paradox Paul von vor zwei Jahren und er wird ans Ende der Liste gesetzt. Das Problem ist, keiner weiss in welcher Reihenfolge der Speaker vorgehen wird. Du kannst sofort aufgerufen werden, zwei Stunden später, oder sonst wie dazwischen.
Im ersten Akt waren drei Kerle, die so was wie einen scheusslichen Poetry-Rap machten mit einer Gitarre und einem Hagel voller Schuljungenwitze. Kai hasst es, ich auch. Aber das ist Aufwärmakt, und das Publikum, fast nur Mädchen um die frühen Zwanzig, scheinen es zu mögen. Sie applaudieren und bejubeln diesen Blödsinn, als ob alle Anwesende alte Freunde wären, was die Meisten auch sind. Diese drei machten weiter und weiter. Es ist kaum auszuhalten, und weit hinten im hinteren Raum wird P.P. nervös. Über unseren Köpfen hängen Monitore, aber das Bild ist schlimm verzerrt und die Kamera, die ein eher unterbelichtetes Publikum abdeckt, filmt nur die Hälfte der Bühne. Dann gab’s da so einen Kerl aus Dresden, der irgendwelchen Blödsinn von sich gab. Kai erinnert sich mit ihm in Dresden aufgetreten zu sein, den dummen Unsinn von damals wiederekennend. Wir diskutieren die weitere Vorgehensweise. Ich will meinen Kollegen, als einen betrunkenen, nicht willens genannt zu werdenden Deutschen vorstellen, der seriöse Schriftsteller liebt und ein vehementer Antikapitalist ist, in dieser Halle voll billiger Unterhaltung, teuren Biers, heulenden Studenten und Rumstreunern, die auf die Disco warteten. Dann wird eine Lady auf die Bühne gerufen, aber sie sitzt immer noch in der Tram, und dann so ein anderer Kerl, dem wir auch nicht zugeneigt waren zuzuhören. “Ich hau ab“, sagt P.P. “Ganz sicher nicht“, sagt Kai, „Du musst deinen Text lesen! Das war deine Idee, das ist warum ich hier bin.“ OK, vielleicht hat er Recht. Ich halte es noch ein bisschen länger aus. Dann wird der nächste Erstsemestler aufgerufen für fünf Minuten Starsein (fünf Minuten maximum, das sind die Regeln in der ersten Runde), er wird von der Jury bewertet, und das Haus wird wieder gebeten, ihren Favoriten mit Applaus, Jaulen, Buhen, oder sonst wie zu unterstützen. Ich hatte nur ein Buh gehört, seit wir dort waren, es kam von Kai neben mir. Ich war weder bekifft, noch betrunken genug, um zu buhen, zuzuhören oder mich sonst irgendwie zu betätigen. “Mach dir keine Sorgen, ich werde wieder nüchtern“, sagt er, über seinem viertem Bier seit wir uns getroffen haben. Ein andere Name wird gerufen, es wird nicht Paradox Pauls sein, so, Paradox Paul steht auf. “Kommst du mit?“ „Ja“, sagt Kai, „das hier ist totale Scheisse“.
So gehen wir in den King Kong Klub, wo Lady Gaby ihre punky texte in ihrem nasalen Aussie-englisch vorspielte, ein schwarzer Kerl, der Geburtstag hat, leitet ein paar Jungs in einer schrecklichen Jazzkombination; und Sister Chain und Brother John, ganz sicher die Stars des Abends, erheben sich, um ihr Gothic Zeug vorzutragen, gerade als P.P. zur Tür raus ging und zum Pub zurücksteuert. Kein Geld mehr, nichts zu kiffen, keine Geduld.
Als Paradox Paul im Bastard ans Mikrophon gerufen wurde, diese paar schwangeren Sekunden, bevor es klar war, er ist nicht im Gebäude, war das sein Gedichte für diese Nacht. Ein wortloses Liedchen mit Titel „Bastard“.
April 4
HOFFENTLICH HEIRAT
Die Fatal Shore record-release Konzert im White Trash war groovy, obwohl es scheint, dass ich der Einzige bin, der 10 Scheine bezahlt hat um reinzukommen. Hätte die andere Tür benutzen sollen. Unten viele Gesichter, auch auf dem Warentisch, Orlas, das merkwürdig ist, aber sehr nett. Ich habe es nicht mehr gesehen seit dem Debut von Brunos Sohn im Pub, und nur gerade vor einer Stunde habe ich eine e-mail von Sie erhalten und beantwortet. Conrad hat dieses Mal auch gespielt mit Chris Russel und auch Infamis spielte; aber ich, der Trottel, habe alles verpasst. Egal, ich wurde zur rechten Zeit Zeuge von der ganzen Aussi Show, während dessen sie wieder bewiesen, dass sie einer der besten „Underground“ Bands sind (z.B. nicht unbedingt kommerziell), ab und zu werden sie lebendig gefasst. A.D.III hat gedreht; so machte es auch Bob, und auch Oli drehte, zwei Kameraden von Bruno aus 'Once Upon a Time' Zeit. Darin liegt das Erschaffen einen super kleinen Films. Rock'n'Roll Geschichte.
Das Treffen mit Kathrin und Dr Nelken im Bezirksstadtrat um 11 Uhr wird natürlich schwierig, ein paar Minuten die Hauptstrasse runter. In diesem Komplex roter Backsteinhäuser, was ich so gehasst habe, als ich dort auf dem Sozialamt war. Erinnerst du dich an Frau Löffel? Ich habe ein Gedicht über sie Geschrieben. Es war mehr, als sie verdient hat. Übrigens, das Büro von Dr.Nelken, als Hoher Hund (top dog), war grösser, heller und viel liebenswerter, als das ihrige, mit Antiquitäten und Sofas möbliert. Ich habe nur die Hälfte verstanden von dem Gespräch, was hauptsächlich von den anderen beiden geführt wurde (Kathrins Agenda war grösser als meine – und nicht so trübe), aber mir ist es gelungen dem Herrn Doktor, der müde oder gelangweilt schien, ein schnell gemachtes Buch mit Galerie Wallywoods Fotos zu zeigen (kosten: um die fünfundsiebzig Euro und zwei Stunden im Copyshop). Wir haben nicht das Beste erreicht, so wie die Galerie bei den letzten Shows ausgesehen hat, bin ich immens stolz; ein Paar Seiten waren genug, begleitet von gestotterten, verkaterten Erklärungen, worauf sein Kommentar so was wie; “Ok, ich habe verstanden. Sie haben ein paar Veranstaltungen gemacht.“ Aber zu aller letzt scheint es mehr als nur einen Hinweis auf eine Chance zu geben, die alte Cafeteria im Peter-Edel, als temporäre Galerie zu benutzen: muss nur noch ein paar technische Widrigkeiten ausmerzen und viel Papierkram. Oh, Scheisse. Da gehen wir wieder. Schliesslich habe ich das in Frage kommende Interieur noch nicht gesehen (wer weiss, vielleicht ist es bescheuert, und ich kann die ganze Sache fallenlassen). Ich fragte Kathrin ob das geht, so früh wie möglich, und während ein paar Minuten Auszeit, fährt sie uns rüber. Das letzte Mal hatte ich es von Aussen in gefrorener Dunkelheit gesehen, diesmal an einem sonnigen Mittag im Frühling. Der Aufpasser liess uns rein. Und...
Das ist der Platz für Wally.
Werde viel hilfe brauchen.
April 2
HEIRAT ODER HINRICHTUNG?
Hallo Wally,
ich wollte Dich darauf aufmerksam machen, dass man die Gastro-Einheit im Peter-Edel durchaus besichtigen kann. Uwe ist dort heute (Montag) bis 16.00 Uhr und zeigt Dir gerne die Räumlichkeiten. Leider konnte ich Dich nicht telefonisch erreichen, da Dein Telefon abgestellt zu sein scheint. Kein sehr guter Zustand, um als Hoffnungsträger eines in Verfall geratenen Kulturhauses zu fungieren.
Bis Mittwoch, um 11.00 Uhr beim Bezirksstadtrat, Dr. Nelken in der Fröbelstr. 17, Haus 6, im 2. Stock.
Wir treffen uns ein paar Minuten vor dem Termin vor dem Haus 6, dann können wir zusammen hoch gehen.
Liebe Grüße,
Kathrin.
Musste erklären, dass ich immer noch nicht mit meinem neuen Handy umgehen kann.
Ein anderes Thema; Lesungen liebe ich nicht als Zwang. Aber letzten Mittwoch bin ich rübergegangen Bert Papenfuß zu hören, spezieller Gast beim „Ex-Berliner“ eine englisch sprachige Zeitschrift, die regelmässig Abende in K.B. gibt. Ein anderer Gast war Alister Noon aus England. Ich habe gehört dass er bei „Bordercrossing“ auf der Liste der Herausgeber steht - er las einiges von seinen eigenen Sachen, einiges von anderen (oft war es unklar wessen Text er gerade las) und einige englisch Übersetzungen von Berts Material. Ich glaube die Übersetzungen waren gut, aber Mr.Noon, obwohl er mehr gelesen hat, so schien es, hatte nicht die Hand des hypnotisierenden Meisters (Bert lässt seine Sätze und Bedeutungen runterfallen, wie von der Spitze einer Klippe, ohne sich darum zu kümmern wo sie landen) und ich habe nicht viel zugehört. Die nordische Betonung, die Wichtigkeit und die Schönheit jeder Silbe, als ob sie Angst hätten wir würden sonst die ganze Schönheit nicht anders erreichen (es war fair genug, dass seine Technik für die Deutschen funktioniert, genau wie für A.Krohn, der überrascht und glücklich war alles verstanden zu haben). Ich habe statt dessen mit Katja gequatscht, ein anderer Lese- und Schreibfan (viele sexy Hühner und überhaupt) und der unverwüstliche B.Burgess, dem ich verziehen habe, dass, er letzten Monat Wally im Pub eins in die Fresse schlagen wollte, weil der zwischen sein letztes Bier und ihn gekommen war, obwohl er sich nie dafür entschuldigt hat. Als die Band zu spielen begann, war sie eindeutig schrecklich, und wir endeten damit uns im Pub zu betrinken. Dann arrangierte Brian einen Literaturabend mit seinem Freund Hal (nicht anwesend, ich habe ihn noch nie gesehen) und mit Bert, während ich zum Schluss erwähnte, dass ich jetzt übersetzungen einsammle von verschiedenen Texten um sie neben die Originale zu stellen in Paradox Pauls erstem Buch. Er war einverstanden, ich schicke ihm welche, was ich am nächsten Tag auch tat. Darunter die Besten und die Schlechtesten; zum Schluss das fertigste: Ribcage, That Sticky Place, Game Rules, Note on Brown Paper und Bad Words. Bin neugierig mit welchem, wenn überhaupt, er arbeiten wird.
Inspiriert und desillusioniert nach dem Mittwoch Abend, ging Paradox Paul mit Cécile durch die Stadt zu dem vornehmen Charlottenburg, zu einem Treffen von, irgend etwas wie "The Creative Writer’s Society", hauptsächlich in englischer Sprache. Katja wusste davon, weigerte sich aber mitzukommen, alles als langweilig denunzierend. Na ja, ein wenig war es, aber für nicht zu lange. Überrascht waren wir unsere Sabine auf dem Regiestuhl sitzen zu sehen, jemanden zu kennen hat sicherlich geholfen (ich war etwas aufgeregt); und dann vor sechzehn oder siebzehn netten und interessierten Seinesgleichen und Professionellen lassen sie ihre Meisterwerke ausströmen. Danach wurde einer nach dem anderen kritisiert, manchmal unnötig, manchmal schmerzlich. Aber ich vermute das ist Teil des Sports, mit dem alle einverstanden sind und unterstützen. Die nette Frau mit dem afrikanischem oder west-indischem Erbe, die als erste ihr Gedicht gelesen hat, ein erdiges mütterliches Ding voll von Wind, umgestürzten Bäumen und emotionalen Höhlen, verliess die Runde später ohne ein Wort zu sagen und so etwas wie einen finsteren Blick in ihrem grossen mütterlichen Gesicht zeigend. Schliesslich schmeisse ich was rein unter dem Vorwand, wir haben nicht so viel Zeit rumzuhängen, wie lustig das alles auch war, wurde ich aufgefordert meinen extrem kurzen Blödsinn mit dem Titel „Abducted“ („Entführt“) vorzulesen. Es war die afrikanische Lady, die als erste gemerkt hat, sie war ein wenig entrüstet, dachte ich, dass das gesprochene Wort und die Kopie etwas verschieden von einander sind (einer muss, wenn möglich, fünfzehn Kopien mitbringen, damit die anderen folgen können und/oder weiter rumkritzeln). Tatsache war, keine zwei Kopien, welche ich ausgeteilt hatte, waren gleich. Das habe ich der Tatsache zugeschrieben, dass ich bis jetzt noch nie ein Gedicht oder ein Text zu Ende geschrieben habe (vielleicht nur das Jesus Gedicht). Ich überarbeite meine Texte immer wieder und so macht ein Massendruck auch nur von einem meiner Texte keinen Sinn. Ich habe erklärt, dass jede Seite, die aus dem Drucker kam und die ich gelesen habe irgendwie nicht übereinstimmte und leicht verändert waren. Aber keine Nasen wurden gebrochen und nach einer verdienten Pause (ein Bier und ein Joint in einem vornehmen Restaurant gegenüber), kamen Cécile und ich in gute stimmen wieder zurück. Wir fingen an uns zu erfreuen. Ich gab Sabine noch einen Text, Man-Thing, und als es soweit war, lieber früher als später, akzeptierte ein Schatz von einem alten englischem Mann, der John heisst, meine Einladung vorzulesen, was er auch passend tat; er war theatralisch und nobel. Bevor Cécile und ich gingen, fragte mich der Mann zu meiner Linken nach einem Autogramm auf dem Skript (es gab keine Kopien), das schien mich eher zu erfreuen, oder zumindest hat es mich nicht in ein frühes Grab hineinkritisiert. Und wir entscheiden, dass wir nächste Mal wieder kommen. Vielleicht sollte ich diesen Text bringen. Schlussendlich war die Atmosphäre freundlich und entspannt, anders als die verräterische Atmosphäre beim „Lauter Niemand“ gesprochenem Wort Abend, wo wir am Sonntag drauf waren.
Letzten Sonntag hatte ich Spass, obwohl es manchmal quälend oder sehr langweilig war. Ich fing im Pub an, ich wartete darauf, dass das erste „Tresentheater“ oder die ersten „Bar Theater“ Proben anfangen, oder eine Einleitung zum Tête à tête, mitgedacht und mitorganisiert von Helmut Ruge, dem hervorragenden Bühnendichter und Radiomacher, Schreiber, Regisseur und Darsteller, und aktiver Unterstützer vom beliebten Art Pub. Alle kamen zu spät. In den ersten zwei Stunden waren alle Aktivitäten auf das Schachspiel zwischen Boss Tom und dem Barkeeper A.Krohn konzentriert. Kats letzte Idee, einen Darsteller auf einen Stuhl zu kleben und ihn hinter die Bar zu stellen, hat mich so beeindruckt, dass ich meinen neuen Scheiss-Synthesizer hohlen gegangen bin, um ihn auszuprobieren. Ja das Teil ist wirklich ein Stück Scheisse, aber die Idee ist grossartig und einfach. Dann tauchte der Maler Holicska mit seiner Frau auf, einer Psychologin, beide aus Transsilvanien und obwohl ich aufgehört hatte zu spielen, oder gerade weil, kamen noch mehr Leute an einem Sonntag rein, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen hatte. Mit dabei war ein hervorragender Gitarist und Songwriter aus England namens Justin Lavash, der in Prag lebt, er wurde mir von Bob empfohlen, der ihn am Abend zuvor in Friedrichshain entdeckt hat. Bevor Justin auftrat, las Helmut auf der kleinen Bühne die Übersetzung von René Schwettge „Bucket“ („Eimer“), der Text, der für den Bastard Poetry Slam Abend gedacht war, zwei Jahre her (ich entschied dann etwas anderes zu lesen, im Grunde war es ein Kneifen). Am Anfang dachte ich, Helmut soll die Sache hinter der Bar lesen, um doch zu allerletzte ein wenig unserem grossem Plan ähnlich zu sein, aber seine Arbeit in der Lounge war eine gute Übung für die Dinge die kommen. Vorher war ich bei „Lauter Niemand“ (die englische Version ihrer Zeitschrift ist „No-Man’s Land“) in desselben Strasse dort, fragte ich die hübsche Adriana, die es organisiert, ob Paradox Paul um zehn Uhr einen Text vorbeibringen darf, vielleicht mit jemanden der es liest. Perfektes Timing. Justin war fertig, Cécile ist angekommen mit Schützenhilfe, und um zwei Minuten vor zehn wanderten sie und ich rüber mit Helmut und seiner Frau Francoise, Helge dem Hinterhofdichter, Alan Layton und Sir Thomas, der neugierig war rauszukriegen, was wir alles anstellen. Dort waren vielleicht schon dreissig Personen (der Raum war so voll, wie ich ihn noch nie gesehen habe) und Helmut ging sofort auf die Bühne. Clemens, der ruhige, der entschlossene und kompetente Moderator, schlug vor, ich soll vorne sitzen, wie sonst soll ich meinen Text auf das darauf folgende Kreuzverhör verteidigen? An diesem Ort werden regelmässig Novizen und Stammleser fertig gemacht. Nichtsdestotrotz Helmut hat es ohne Rauswurf überstanden (manchmal unterbrechen sie die Leute mitten im Lesen und das auf eine nicht sehr freundliche Art). Ich war froh, dass sein Vortrag langsamer war, lauter und klarer, als noch vor einer Stunde im Pub (die Atmoshere dort war laut), und unüblich, er bekam zum Schluss einen netten Applaus. Ich schüttelte ihm seine Hand am Rand der Bühne, und es folgte eine grosse Stille. Clemens forderte mich noch mal auf mich mehr ins Zentrum der Bühne zu setzen. Ohne Bier oder Zigarette, blieb ich reglos, ich ging davon aus, dass es keine weiteren Fragen mehr gibt. Mach dir keine Sorgen, die komm schon, meinte Clemens. Und dann kamen sie, einige irrige Kommentare über eine anscheinende Konfusion am anfangs der Geschichte, fast nur von einem Mitglied der Runde, ein festes Mitglied mit grauem Bart und ein Quadtscher, der immer die Worte, die sein Mund produziert am liebsten hatte und schafft es nicht eine Episode laufen zu lassen ohne darüber Kommentare abgeben zu müssen, bis jedermann schnarcht oder gegangen ist. Später beteiligte sich ein anderer Stammleser, sie entschieden zusammen, dass der Text seinen doppeldeutigen Anfang und sein Lächerliches Ende verlieren soll. Das war alles sehr deutsch, und ich hatte ein bisschen Mühe die Genauigkeit einiger nicht so wichtigen Punkte zu verstehen, die sie scheinbar nicht loslassen konnten. Zur Zeit war meine Verteidigung Paradox Paul zu werden, mit diesem unerschütterlichen Vertrauen in die Arbeit, so etwas wie mit Arroganz verheiratet, unverfrorene Lust für Doppeldeutigkeiten und Anti-Logik und wenn möglich Einfachheit beim Antworten finden. Mit moralischer Unterstützung und komischen Kommentaren von Hinten von Cécile („Was meint ihr? Walt Disney liegt eingefroren in Disneyland!“) Helge vorne („ok, der Anfang und das Ende sind Scheisse.. Schmeiss die raus!“), Thomas auf einem Sessel beim Fenster und normalerweise schüchtern, fängt überraschenderweise an zu schwärmen, vor allem über die Bilderwelt („das musst du sehen, es ist über einen Mann mit Einem Eimer auf dem Kopf. Das ist das Haupt Punkt!“). Und Helmut, der sich mit seiner Frau in den hinteren Teil zurückgezogen hat, sagte später am Tresen, dass er völlig der Meinung ist, dass der Text und Renés Übersetzung gut sind.
Am Tag bevor ich auf dieses verrückte Wochenende mit Freygang gegangen bin, habe ich (auf die Deadline genau, wie immer) zehn Texte zu „Bordercrossing Berlin“ geschickt, die englischsprachige Literaturzeitschrift (Gallery Wallywoods war letzten Juni Gastgeber für eines ihrer Eröffnungen). Ob etwas akzeptiert wird, oder nicht, es ist ganz klar, dass Paradox Paul mit diesen Erscheinungen weiter machen muss, ruhig und grob, die trockenen Gelegenheiten unterminieren, herausfordernde Einschränkungen annehmen und breite seine guten Worte aus und das ernste gute Leseabende, so absurd sein können, wie du willst, so kreativ wie du willst, und Spass, Spass, Spass.
Als der letzte Mann bei „Lauter Niemand“ uns seine Zweiter Weltkrieg Bombergeschichte erzählte (er machte fast die Geräusche von Maschinengewehren), konnte Cécile hinten nicht aufhören zu lachen. Ich konnte kaum zuhören so beschäftigt war ich sie wieder ruhig zu halten. Ich fragte Helge draussen, ob das eine Komödie war, ein wenig vielleicht? Ganz sicher nicht, sagte er, und wir haben alle die nächsten dreissig Sekunden zurück ins Pub gelacht.
April 1
GOLDSTAUB
„Lieber, Grüsse,
Ich möchte Sie Aufmerksam machen auf ein Angebot, unser internationaler Agent zu sein, für den Verkauf von AU Gold.
Mein Name ist Willie Frimpong und ich stamme von der königlichen Familie aus Takwahrgion, in Ghana, was auf natürliche Weise mit der höchsten Qualität Goldstaubs Afrikas beschenkt ist.
Ich wurde berufen das ganze Dorf zu represäntieren als ihr Sprecher mit dem Hauptziel einen zuverlässigen, kompetenten und ehrlichen internationalen Käufer oder Agenten zu finden.
Wir die Jungen aus dem Dorf, haben es auf uns genommen auf eine dauerhafte Lösung zu finden, für die armen Strassen, für die billige und standardtisierte Erziehung, für die ländliche Infrastruktur, für ein gutes Krankenhaus und für medizinische Fürsorge und hygienisches Trinkwasser für uns und für die ganze Dorfbevölkerung, ungeachtet der Tatsache, dass wir beschenkt sind mit natürlichen Ressourcen, wie Goldstaub.
Ich hoffe Sie sind freundlich genug, uns bei diesem unserem Traum zu assistieren, es eine Realität werden zu lassen.
Freundliche Grüsse,
Wilie Frimpong.“
(Ich habe aktzepiert, natürlich, aber unter einigen Bedingungen.)
März 31
LIEBE SABINE
Cécile und ich haben die Writers Group sehr genossen, danke dir für die Gelegenheit.
Zum Teil kam ich, um mich als Leser zu testen, etwas worüber ich immer noch unglücklich bin, und natürlich um das Material mit lebendigen Menschen auszuprobieren, aber speziell, um jemanden zum Übersetzen zu finden. Langsam setze ich eine Auswahl von Texten zusammen, die als kleines Buch veröffentlicht werden sollen, jedes davon wird begleitet von einer deutschen Version. Fünf sind schon fertig, das ist ein Start, und ich möchte andere dazu einladen an mehreren mit dran zu arbeiten.
Würdest du es in Erwägung ziehen etwas zu übersetzen? Es gibt zynische Stücke und phantasie volle Stücke, und ich würde vorschlagen, dass ich dir einige von den letzteren schicke, wenn du einverstanden bist.
Was John betrifft, ich möchte ihn so gerne einladen „Manthing“ zu Übersetzen. Meinst du, dass er Zeit hat? Ich bin ihm nie zuvor, vor der „writers group“, begegnet; hast du Kontakt zu ihm, E-mail oder Nummer?
Zum Schluss, ich muss so viel Übersetzen, dass das Buch nur dann erscheinen kann, wenn ich auch andere dafür interessieren kann. Das könnte ich beim nächsten meeting ansprechen, wann ist es überhaupt?
Bis bald,
Paradox Paul.
März 26
NOCH MEHR ALPTRÄUME
Ich frage mich, ob es in diesem Raum spuckt. Ich glaube so gesehen nicht an Geister, aber wenn hier oben etwas schreckliches passiert, es könnte ja sein, dass ich wieder diese Spuren davontrage. Die erste Nacht war die Nacht, wo ich eingezogen bin, oder war's die Nacht danach. Diesmal, Gänse haut in der Kälte (der Ofen war ausgegangen) und Träume von einem Mann in einem langen grauen Regenmantel und einem Bogart Hut, der durch das Fenster schaut, wie ein Salems Lot Vampir, oder er steht neben der Tür. Ein Mörder, mit einem Messer in einem blutenden Buch, mit einem unbekannten Opfer. Zähne und Kiefer zittern unkontrollierbar voller Angst, ich breche in hysterisches Lachen und gekünstelte Freude aus. Eine Frau, von der ich nicht wusste, wer sie ist, dachte das Buch wäre ermordet worden, und so floss das Blut heraus. Irgendwo dort waren Kinder. Ich erinnere mich kaum an mehr. Abgekämpft, halb wach im Licht der Dämmerung, um es abzuschütteln und nicht die Nachttischlampe anmachen. Alles hätte hier passieren können. Sonst sind mein Rhythmus und meine Sinne ganz durcheinander. Bekomme Gefühle, die ich sonst nur habe, wenn ich nicht allzu betrunken ins Bett gehe. Emotionales Gehirngefick.
Gestern gingen die Uhren vorwärts. Nach einem späten Anfall von gefrorenem Wind und Schneeregen, kam die Sonne mit dem Frühling zurück. Nicht das ich etwa viel in die Sonne gehe. Jetzt gerade, sass ich auf Lukas' Balkon mit Tee und Schokoladenkuchen und ich löste mich fast auf an diesem schönen Tag. Gegenüber vom Postamt Prenzlauer Allee. All diese eifrigen Menschen dort unten. Es fühlt sich nach Berlin an. Ich will anfangen Lukas' zweites Fahrrad zu benutzen oder ich kaufe mir eins im second hand. Ich brauche das Training, Ich brauche die Luft.
Anderes gutes Zeug, wie die Eröffnung von Holicskas abstrakten Ölgemälden, „Das dort ist das“ am Samstag Im Pub. Er ist aus Transsylvanien, so Rumänen waren da, Ungaren (Ich bekam grosses Heimweh nach Krisztina und Budapest), Russische Lieder gesungen von Maria Marachowska (alle sind in sie verliebt), improvisierter Blödsinn vorgetragen vom betrunkenen Clive und Paradox Paul, eine Gitarre wanderte von Mr. Layton zu vielen anderen, in verschiedene Zuständen bis das Morgenlicht durch die Fenster schien, und die letzten von uns zerstörte. Es wurden zwei grosse Flaschen Unicom verzehrt, zig Flaschen billigen Fusel, ein Dutzend Baguetten und ein riesiger Klumpen Käse. Ein halbes Dutzend freundlicher Polen kamen in den frühen Stunden in Berlin an, um Nine Inch Nails zu sehen, danach hat mir Kim Sachen zurückgelegt und ich muss Einiges in einem desaströsen Zustand zurückgelassen haben; aber ich habe jetzt aufgehört zu putzen. Petes Freundin Kat, neues Bargirl aus England, und sein Ersatz (er hat jetzt einen Job im „Erdbeer“, hier gleich um die Ecke), macht es jetzt ein wenig.
Den nächsten Tag habe ich durch geschlafen, habe eine Verabredung mit Martina in Friedrichshain sausen lassen. Ich sollte mir ihre Bilder anschauen, die ich bis jetzt noch nicht gesehen habe, so, dass ich darüber schreiben kann. In drei Wochen wird sie die nächste Ausstellung im Pub aufbauen und ihr Freund Michael hat für ein zweiwöchiges gesundes Musikprogramm gesorgt. Die machen den besseren Job, als ich, in Werbung. Ich habe Bev Lee Harling durch Michael gebucht und die haben an die hundert Leute gebracht. Letzten Freitag hat Steve Binetti gespielt, aber fast hätte er nicht gespielt, es waren so wenig Gäste da. Am Schluss sind doch noch einige gekommen, obwohl, und es wurde ein schöner Abend (bis Mad George, Maria, Steffi und ich raus geschmissen wurden, woanders unser Gelage weiterzumachen). Letzte Nacht sind Klabunde und die Fuse Empire aufgetreten, vor gerade drei oder vier Gästen, minus ich. Aber kombiniert mit Sabines aktueller Arbeit, welche die neuen Shows am richtigen Ort anpreist, werden die Dinge anstrengender. Thomas macht endlich das Sound-Proofing, auch, nachdem ich ihn sechs Monate lang keine Ruhe gelassen habe, und bevor die Nachbarn sich zusammentun und es schliessen; und es ist an der Zeit einige Tische raus zustellen. Tische gerettet vom Tea Room. Bisher war es noch zu kalt. Eventuell machen wir schon am Nachmittag auf, Parkbesucher werden in der Lage sein ihren Kaffee zu geniessen, Kuchen und Kunst (Kunst ist ein Anagram für „art“).
Was den Sommer betrifft, über einem nahen Schachspiel vor ein paar Tagen, schien Andrej mir die Schändung der Freygangflagge verziehen zu haben (ich habe „Free“ über „Frey“ geschmiert, was wirklich Sinn machte zu der Zeit), und mit A.D.III sind wir wieder eingeladen worden uns ihnen anzuschliessen, an einem Freilicht Sommerfestivals. Ich hoffe, dass ich hauptsächlich übe und konzeptionell etwas mit einem Klavier mache. Ich male nicht mehr.
März 22
INTERESSANTE
Diskussion diesen Abend in einer typischen Prenzlauer Berg Bar (Name unwichtig: gemütlich, warm, dunkel, hübsch und entspannte Leute) über einem Berg von Salat mit Birgit, die nicht dick ist.
Wir haben uns einige Male in der Woche an verschiedenen Orten getroffen: ich froh vom Pub weg zu sein, sie die professionelle Frau, drückt sich noch einen anderen Kaffee rein, zwischen all den hundert Dinge, die sie jeden Tag tut. Birgit trinkt und raucht nicht oder sonst irgend etwas; habe alles auf hartem Weg aufgegeben. So also limitiere ich mich so gut es geht. Sonst haben wir vieles gemeinsam, von Lieblingsautoren bis zu historischen Schlachten, von ihrer Spezialität als Therapeutin für schwierige Kinder, bis zu mir, der ich eins war. Quatsche mit ihr über ihrer Arbeitslast, was extrem gestörte Kinder betreffen kann, meine Meinung so oder so, der sie zuhört, ob sie nun wichtig ist oder nicht, Probleme mit Mitarbeitern, Probleme in ihrer Vergangenheit und in der Gegenwart; Probleme in meiner Vergangenheit und speziell die jetzigen, ihre Ratschläge dazu, ob ich nun zuhöre oder nicht, Probleme im Pub, meine Depressionen, meine Süchte, meine Ziele; Filme, die wir gerne zusammen anschauen. Vergnügt in unserer Gesellschaft, trotz meiner leichtsinnigen Zerstörung von unserer körperlichen Beziehung, scheinen wir uns Zeit zu nehmen für unsere in Wahrheit sehr verschiedenen Leben, vergleichen Aufzeichnungen, wir lachen zusammen über die vorbeiziehende Welt, all das.
Das Thema wandte sich diesen Abend zu meinem Interesse, ganz als Künstler sollte ich hinzufügen (schon ganz klar in der Defensive), das Hakenkreuz. “Aufgeheizte Debatte“ ist es ein Cliché, aber eine faire Zusammenfassung, obwohl wir später, als beste Freunde uns getrennt haben, ganz zu meiner Erleichterung. Was mich betrifft, ich bin auf dünnem Eis in diesem Land, wenn ich so was sage, wie, „ich bin ein Künstler, ich kann das malen, was ich will, ich kann machen, was ich will“. Darauf kommt die Antwort, auch die Nazis haben gemacht, was sie wollten. Siehst du, jetzt wird es schon Trickreich. Ihr Gesicht fiel weiter runter, als ich zugab am letzte Samstag, eine Hakenkreuz auf der Bühne in Dresden zu malen, aber natürlich habe ich es, mit einem blaue Herzen, wieder ausgelöscht. Ihr Kommentar war, „Ja das ist grossartig, mal ein Hakenkreuz und dann malst du ein Liebesherz drüber, so als würdest du es lieben. Wie ist es mit denen im Publikum, die es so gesehen haben?“ Na ja, das habe ich nicht einmal in Erwägung gezogen. Typisch. Genau da, betrachten wir die Dinge sehr unterschiedlich. Das war ein wenig wie eine kalte Dusche. Ich habe plötzlich verstanden, dass sie meine Moralvorstellungen prüfte, und mir ging's beschissener. Beide waren wir uns einig, dass die Diskussion fast nutzlos war; ich forderte sie auf mit den Beschuldigungen aufzuhören, bis sie immerhin eins von den Werken sieht, was viel besser für sich selbst spricht; sie bohrt bis zu dem Punkt, dass ich nie, je, dieses Symbol unwiderruflich Teuflischem, entterrorisieren kann, indem ich ein aus Gummibärchen mache, oder ein mit dem Text von „Sieg Kunst!“ bastle. Ich bestand darauf, das das Symbol in den Vereinigten Staaten und auch sonst wo frei benutzt wird und ich fragte, ob es richtig ist, dass es in diesem Land öffentlich verbannt wird? Ja, es ist richtig – und ich bin nicht unbedingt dagegen. Sollte ich in der Lage sein, eins davon in einem Raum von einer Galerie zu zeigen? Nein, ich sollte nicht. Und da sind wir völlig verschiedener Meinungen.
Ich verstand ihre Abneigung, und sie misstraute allen, die es benutzen, und bezog sich auf einen guten Freund, der hier nicht genannt wird, obwohl es ihm egal wäre, ob ich ihn nenne oder nicht, der abstossende Bilder sammelt, die auch mich noch sehr abstossen, zerfetzte Beine, eingelegte Babies, obszöne Verunstaltungen, Nekrophilie... Dieser Humbug lässt mich kalt. Noch hatte ich den Wunsch eine Serie von Exkrementen unter Glas anzuschauen an einer Wand in einer vornehmen Galerie in London (der Hayward – seit diesem beeindruckenden Alter, das habe ich nie vergessen. Ich war wirklich „schockiert“). Entlang diesen Linien, wer war dieser abstossende pädofile Deutsche Künstler und dieser Eimer voller Blutfilmemacher? Ich kann es kaum glauben, wenn ich jetzt zurückdenke, aber ich habe Herrn Evans gefragt, bitte diesen Film, wo die Frau diesen toten Schwan vögelt, nicht zu zeigen, das war letztes Jahr an einer Wallywoods Show im Kaffee Burger. Er war sicher so verärgert über meine Zensur, wie ich darüber, dass mir gesagt worden ist, ich sollte nicht und kann nicht malen oder machen, was ich will.
Nach diesem albernem Gerede, kannten Birgit und ich uns besser, nachdem wir gegangen sind. Ich kannte auch mein Thema ein bisschen besser. Es ist eher eine stachlige und schmerzvolle kleine Obsession, habe ich dann erst voll realisiert, auch nach diesem grossen Hakenkreuzdesaster in der Galerie im April '05. An einem bestimmten Punkt an diesen Abend dachte ich, ich hätte unsere Freundschaft für immer kaputt gemacht. Aber unnötig zu sagen, ich werde das Ding nicht fallen lassen, bis ich genug davon habe, es ist egal, wie es anderen langweilt oder krank macht. Es ist beides, ein ungesundes und ein gesundes Interesse, und es hat nichts mit Schockwerten oder mit dem Ego zu tun.
Jetzt arbeite ich an einem konzeptionellen Werk für Birgit, um es über ihre Kamine zu hängen. Trotz allem, sie hat mir sehr geholfen und sie verdient es. Es ist ein kleines schwarzes Hakenkreuz, das in der Mitte einer grossen, weissen Leinwand gemalt ist, mit einer grossen Inschrift, „das Beste für Birgit, Liebe Paradox Paul, Berlin 2007“. An den Bildrahmen angemacht, an einem Stück Schnur, ist ein Vergrösserungsglas. Nur, wenn sie es benutzt, kann sie ab und zu die klitzekleine Ameisenscheisse eines je irgendwo gemalten Hakenkreuzes sehen.
Sieg Kunst!
März 21
FREE BUSINESS
Ich habe es geschafft anwesend zu sein, wenn auch mit wenig Dokumentation und keine Ahnung was mich erwartet, bei diesen Peter-Edel Kulturhaus Fördervereinstreffen. Die meisten davon waren ältere professionelle Männer, intelligent, seriös, respektabel, unter Neonlicht und unter Tonnen von Papier erläutern sie, unter anderen, wie sie ihre begrenzte Stadtsubventionen ausgeben wollen. Ein paar Frauen dabei, eine davon macht sich Notizen. Keine Getränke auf dem Tisch, nicht einmal Wasser. Kathrin Hülsse, die ich kenne und bewundere seit ihre „Versuchsstation für den Weltuntergang“ Galerie in Zelter Strasse meine erste Big Chairs Ausstellung beherbergt hat, im Jahr 2001, kennt die meisten von ihnen durch ihr Entwicklungsschema Leerstandsinitiative. Sie hat mich früh bekannt gemacht (es schleppte sich um Stunden) und ich schwafelte angestrengt für ein paar Minuten über das Projekt und über das, was ich will. Zitierte ein paar Figuren von mir, ich schloss damit, dass ich und meine hundert internationalen Künstler freuende, die in Berlin leben, alle zusammen keine zwei Cent in der Tasche haben. Als ich gefragt wurde, wie ich das Ganze finanzieren will, habe ich die sagenhaften „Friends of Wallywoods“ erwähnt, in die ich absolutes Vertrauen habe, obwohl die Theorie muss noch geprüft werden. Ein oder zwei Bordmitglieder waren nicht sehr beeindruckt, zwei oder drei waren es, wie ich es einschätzte. Das Zitat dieser Nacht: inmitten all diesem bürokratischem kwatschen und dem Nichtzustandekommen, sagt ein freundlicher alter Kerl, „Ich denke, dass ein englischer Künstler aus London sehr sexy wäre hier herum; es würde frisches Leben bringen.“ Gut gesagt, Kerl! Das denke ich auch. Aber nur unabhängig von diesen Treffen, Budgetdiskussionen, innere Kämpfe, hebe deine Hand um zu sprechen und so weiter. Fühlte mich wie ein Student vor seinen geschätzten Professoren, die meisten von ihnen wussten mehr über Steuererklärungen ausfüllen, als über was in der Kunst angesagt ist. Der Ort wäre absolut perfekt, aber, als der Frühling näht, und das Haus ist am See. Es ist möglich die alte Bar als Galerie-Café zu nutzen, so viel ich ausfindig machen konnte, für zwischen fünf und zwölf Monaten, mit fast keinen Kosten. Auch andere Räume sind eventuell zu haben, in diesem grossem, alten Haufen mit Graffiti beschmierten Häusern. Ruhige Tramfahrt in die Stadt. Sollte probieren ein Konzept zu schreiben und illustriert mit vergangenen Abenteuer (nichts allzu sexy) für das nächste Treffen, wenn es eins geben wird.
Es fällt mir schwer diese wunderbare, wenn auch dünne, Gelegenheit von meiner alten Antipathie, was offizielles Kunstgeschäft, speziell Bewerbungen für Sponsoring und so ähnliches betrifft (damit hatte ich nie Erfolg), voneinander zu trennen. Offizielle Kulturmenschen rufen sofort meine anarchische, sarkastische, offensive-defensive Natur hervor, und egal, was sie über meine Kunst denken mögen, welche mehr als gut genug ist für die meisten von denen, werde ich immer Schwierigkeiten haben ihnen im Mainstream zu begegnen.
März 20
TOTAL ABSEITS VON
die hübsche Australierin Mary, deren Ahnen aus Dublin stammen, eine kleine Zahl hässlicher Menschen, deren Ahnen von der Hölle kommen, sind gestern aufgetaucht. Wir haben Musik gemacht, wir kritzelten mit parfümierten Kinderstiften auf Papier eine kleine Ausstellung, die es wert ist, nächstes Mal gezeigt zu werden, war sturzbetrunken und fühlte mich viel besser für die freie Therapie. Ganz sicher habe ich das getan. Es war wieder Wallys Show, es gab keine Piraten zum ärgern, und wenn die Show von Wally ist und er fröhlich ist, glaubt er so richtig wie falsch, dass alle fröhlich sind. Und, wie ich endlos und nutzlos vortrage , Wally ist niemals falsch. Zu allem übel hatte er plötzlich eine Idee. “Club Wallywoods“ gibt es noch nicht, und Samstags im Art Pub (das letzte neue Idee), hat die Nachbarn, wie an allen Tag, verärgert. Jason und die Ugly Americans fühlen sich im Burger zu Hause, wie wir alle jetzt. Tatsache ist, dass unsere Eskapaden freundlich toleriert werden, was kaum zu verstehen ist; so, die schon angekündigte Art Therapy wird die letzte sein, gefolgt von einer monatlichen Club Wallywoods Party, dieser Membership Idee endlich auf den Grund gehen.
Warum brauche ich so lange über diese Dinge nachzudenken?
Antwort: viel zu beschäftigt alles andere als erstes zu erledigen.
Ich soll heute Abend an ein Sponsorship Informations Treffen Dings gehen. Ich nehme ein paar alte Dokumentationen von der alten Galerie mit und präsentiere meine Idee für die neue. In Weissensee. Bin immer noch nicht überzeugt.
Nachricht an Mama und Papa: Ich habe euch nicht vergessen. Im Gegenteil, ich denke jeden Tag an euch.
Der Hund schläft. Lang lebe der Frühling.
März 19
FREE GANG
Unterwegs und zwei verrückte Abende Rock'n'Albernheiten auf der Bühne mit Freygang; in Leipzig am Freitag dem 16sten, wo Paradox Paul nach einer halben Flasche Whisky (kein Marihuana in Leipzig) ein Hakenkreuz malt und die Lichter gingen aus, und Dresden am Samstag den 17sten, wo Egon P.P. seine elektrische Gitarre gibt und Aloysious Dougherty III aus Los Angeles (A.D.III von jetzt an) wurde Tatjanas Bass ausgehändigt, und sie verlassen die Bühne. Der Schlagzeuger gibt uns fünf Minuten und dann verlässt auch er die Bühne.
Ich nahm den es locker nehmenden (aber nicht immer!), neu in der Stadt, Maler und Filmemacher A.D.III, um das Road Movie zu machen, eins von den wenigen Dingen, die geplant sind ; aber wir liessen Bob und sein Keyboard und seine Klangmaschine hinter uns. Bob war richtig angepisst. Kein Platz mehr im Bus., P.P. nahm auch kein Keyboard mit. Keinen Hammer, keine rote Farbe. Es kommen Hinweise von Wally, der verantwortlich für die organisierten Schweinereien ist. Grosses Loch in der Planung. Habe auch zwanzig Meter Leinwand zurückgelassen, die Ceci ganz lieb auf dem Türken Markt geholt hat und erwünscht war, ein kreativer kleiner Beutel grüner Unterstützung. Organisatorischere Meister Freigang (mache das seit 30 Jahren) kam im Pub auf die Minute genau an und schafften es nicht die vitalen zehn Minuten zu warten. Aber warum sollten sie auch. Im Gegensatz zu P.P. war der Van geladen, und die Crew hat nur Zigaretten geraucht. Tonnen davon. Und Zigarillos. Fünf Minuten unterwegs und schon wird die Atmosphäre dokumentiert, A.D.III sagt an, dass er nur für eine Stunde Material hat, die Verbindung zum Videobeamer sieht zweifelhaft aus and es gibt keine DVDs zum brennen. Er und ich müssen einkaufen gehen. Der Kapitän von der DDR Piraten Band und die lebende Schachlegende Andrej, meint: sorry Jungs, steht nicht in den Sternen.
Ihr müsst bis Leipzig warten. Paradox Paul fühlt sich halb unwohl, während seine andere Hälfte sich bald kalt anfühlt, und er hat seine extra Kleidung zurückgelassen im Pub, zusammen mit der Zahnbürste. Das Fenster ist offen, die Hälfte der Reise, um etwas vom Rauch rauszulassen. Auf der Autobahn ist die Stimmung heiter, als A.D.III seinen Berlin Slang verbessert, wie um zu sagen „Ich habe kein Grass, Mann“, aber die Temperatur fällt schnell runter und die Heizung ist nicht an oder unbrauchbar, und man kann nur hoffen, dass jemand auf dem Gig, irgend jemand, uns einen Joint schenkt, kann dann der grösste Trip des zitternden „Aktions- Künstler“ Paradox Pauls vor dem grossem Desaster gerettet werden. (Er zerstörte deren heilige Freygang Flagge, die sie seit Jahren gehissthan – mindestens einer ist deswegen ins Gefängnis gekommen. (To be continued.)
Kam am Samstag zurück aus dem Art Pub auszuziehen (fange an darüber nachzudenken, bin vor zwei Tagen mit Freigang weggefahren am Tag unseres halbjährlichem Geburtstags unserer offiziellen Einweihungsparty). Ceci, die sich wieder erholt hat, und Bob, der über seine Enttäuschung hinweggekommen ist, haben zusammen Musik gemacht und rauchten P.P.s Grün für den Rest des Abends auf, auf der Geburtstagsparty, was ich angesagt hatte, dass ich weiss, dass ich nicht da sein werde.
Bin in eine angenehme, anständig geschnittene WG mit Aussenklo und Innen eine Kohleheizung gezogen, der Holzboden frisch weiss gestrichen und ein neuer Mitbewohner, technischer Zauberer und Erfinder in 3d Grafik, Lukas. Der verdammt allerletzte Stock über dem alten Tea Room, welches auf tragische Art letzten Dienstag verschieden ist, jetzt eine Oedniss , zum Mieten für ungefähr 1700 Euros, Dollars oder Spielgeld. Ich habe gehört, und das ist kein Blödsinn, wie das meiste von oben, der Bürgermeister will Wallywoods ein 300 Quadratmeter grosse Halle Sponsoren in einem Kulturkomplex, das Peter-Edel Gebäude, was immer das auch ist, in der Nähe vom See, mit einem angegliedertem Jazzclub, um Veranstaltungen zu machen, na ja, voraussichtlich Kuturevents. „Nachbarschafts-freundlich“ ist erwünscht. Keine Hakenkreuze, keine Kinderklamotten im Fenster, wo drauf steht TRITT MICH ZU TODE und keine Schamhaare von George Nickels. Mr. Bean backt dann. Mit einer grossen Gruppenausstellung werde ich anfangen und mit einer Punk Band. Stop. Harfe, Flöte und ein Flügel, um drauf loszuhämmern. Halt mir die Daumen und fass Holz an.
Die vierte Art Therapy im Kaffee Burger ist heute Abend. Ich habe nichts dafür organisiert, nicht einmal eine E-mail verschickt. Kaum etwas für das letzte Mal gemacht, und die war die beste. Ich werde Papier und einige Stifte auf die Tische legen und werde die Barcrew und ein oder zwei andere Patienten mit beruhigendem Krach der erträglichen Natur versorgen (ich habe mit Freygang geübt) auf dem Synthesizer vom Kaffee Burger. Vielleicht tauchen die Ugly Americans auf. Ich habe mit ihnen auch geübt.
März 6
DER EWIGE OPTIMIST
Die Welt hat aufgehört sich zu bewegen. In einem versteckten Teil von ihr, schwimme ich im Schlammbad. In einem kleinen Hinterzimmer voll mit Schlamm. Schwimmen, wie auch immer, ist eine Übertreibung. Schwimmen bedeutet produktive physische und spirituelle Aktivität. Ich liege ganz still im Schlamm, versuche nicht zu tief einzuatmen. Nachts gibt es Niemanden auf dieser Seite der Erde. Was ist passiert? Vor sechs Monaten war das Leben besser als in Ordnung. Die Dinge auf ein Halt aufgelaufen. Ertrunken am Boden mit einer bewölkten Flasche Bier. Und doch, im selben Augenblick, bin ich mir innerhalb der wenigen Stunden jeden Abend bewusst, sogar aktiv, ich arbeite ohne Unterlass, und die Dinge hören nicht auf. Das ist nie schlecht. Ununterbrochen arbeiten, so wie noch nie und immer den „schwarze Hund“ vertreiben. Erfinden, Planen. Heroisch, dumm. Treffe einen endlosen Strom Menschen. Aber wozu? Mit was für einem Resultat? Wer wird bezahlt? Soll ich die bezahlen? Wer, an einem glorreichen Tag, will mir den Berg voll Geld bezahlen, den ich bis jetzt verdient habe? Und hier am Rand der Erde, zu wem gehöre ich? Freunde, Feinde, Hexen, Heilige, total verfickte Idioten überall herum. Zeitverschwender, Vampire, Kinder und Zauberer. Prinzessinnen, Göttinnen, Schlampen. Das hält mich ganz schön auf Trab, das tut es. Ich bin beschäftigt, auch, ob ich nun schlafe oder nicht, mit Imaginationen, Imaginationen Imaginationen. Es gibt kein Ende für meine Kreationen, bis jetzt ist noch nichts kreiert. Zumindest nichts mit einem handlichen Gewicht, Abguss in Beton oder Bronze. Es gibt immer noch keine Big Chair, der grösser ist als ein voller Meter. Nicht Irgendwo. Das ist nicht lächerlich, das ist skandalös. Der Funke stirbt nie, wie auch immer. Tatsächlich ist er so stark, wie noch nie. Aber es scheint mir jetzt, dass nichts Feuer fängt. Leben im Schlammzeitalter. Wie lange hat es gebraucht das Feuer zu erfinden? Und wie lange wird es gehen bis die Welt weicht? Diese finale Weichen, wenn alles befreit ist, realisiert ist, erfüllt und bezahlt?
Chronische Depression, wie ewige Einsamkeit, Alkoholismus, Farbenblindheit oder niedrige Intelligenz, kann nicht geheilt werden. Oft genug mich gestellt und gekämpft in dieser Schlammzelle, es gewinnt eine Schlacht nach der anderen. Aber was sollst. Ich gewinne den Krieg. Diese Verletzungen, diese Krämpfe, dieses im Schlamm ersticken, eher langweilig, als schmerzlich, wird früh genug bald Geschichte sein.
Birgit hat mir gesagt, in meinen Worten jetzt (es war gerade nach der kleinen „Episode“, welche gleich am Anfang unserer Ende war), dass sie selten jemanden getroffen hat, der so offensichtlich stabil ist, sozial adäquat und was noch alles, in der Lage unter einer zerbrechlichen Oberfläche so eine Fülle von tief verwurzelten Problemen und Rohem. Korrektur, Schlamm. Sie schlägt vor, ich soll zu einem Psychologen, aber wie blöd das ist! Sie ist eine. Und eine hübschere werde ich nicht finden.
März 1
GERADE JETZT
bin ich mehr, als in ruhigem Fahrwasser, trotz der kürzliche Sauferei, Drogengelage, Zusammenbrüche und halb erledigte Aufgaben. Ein Tröpfeln von Geld, was reinkommt. Schaue nach Räumen, grosse, kleine, miese, triefende Kerker, fluoreszierende Bürozellen, hohe bis zu fast niedrigste Preise. Für die neue Galerie, oder was auch immer der Ort sein wird. Weissensee ist eine sichere Option, aber wer will schon in Weissensee sein, so schön es auch sein mag? Schräge kleine Räume überall herum verteilt. Werde es finden bevor es zu spät ist. Der amerikanische Künstler Aloysious Dougherty lll sucht auch. Vor einigen Monaten ist er aus dem Flugzeug gestiegen, lebt von Pension zu Pension, nur grundlegende Bedürfnisse werden gestillt, Platz zum arbeiten, ein bisschen Leitungswasser und eine Koje. Werde es finden bevor es zu spät wird...
Ein interessantes Tarotlesen gestern bei Cécile gehabt. Was ist deine Frage, sagte sie. Was denkst du: Wie komme ich zu Geld? Selber noch gar kein Experte im Geld verdienen und auch nicht im Tarotlesen, so ging es weiter. Die erste Karte: Schicksalsrad. Zweite: die Geldkarte – kein Witz, ein Sack voll mit dicken Goldstücken. Cécile sagte: geh nicht geradewegs auf Geld los. Geh durch die dritte Karte. Die Karte: ein Mann, der sitzt. Sie sagte, Intelligenz und Distanz. Denk darüber nach. Vierte und letzte Karte in der ersten Sitzung: das Innere eines Raumes mit Fenstern mit Gittern. Ausserhalb des Fensters, was glaubst du, eine ganze Masse Geld. Sie sagte, du wirst es nicht kriegen. Ein wenig verärgert, aber viel weniger zynisch, als noch vor Jahren, fragte ich, über welche Zeitspanne so eine Lesung geht. Sie sagte, oh, so zwei oder drei Monate. So, also kein Problem, alles ist klar. Ich mache weiter, wie bisher; aber, wie es kürzlich hier vorgeschlagen wurde, konzentriere dich auf Paradox Paul, die Performance, die Kunst. Dann breitete Cécile das zweite Set aus (ihre Schauspielertage und ihre Zigeunerwurzeln kamen wieder durch), jetzt mehr Leben im generellen und Liebesdinge. Erste Karte, eine wunderschöne Frau. Volle blonde Locken, ohne Frage Birgit! Später sagte Cécile nein, die karte hatte schwarze Haare. So, er...wart ne Minute, Katja also! Nein, doch besser Miss O., das Mädchen aus Dublin, welches ich aus Distanz seit über zehn Jahren anbete, bis vor einigen Wochen, wo sie aufgetaucht ist für das Konzert von Brunos Sohn und für die ganze Nacht gut gelaunt blieb und wir uns am nächsten Tag bei nettem Geplänkel kennengelernt haben. Seitdem nichts mehr von ihr gehört. Armer Wally. An die anderen acht Karten kann ich mich nicht erinnern, ausser, dass sie wahr genug für das Leben waren, verständlich, spielerisch helfend. Bis zur letzten Karte, der Tod. Ich erinnere mich, wie ich vor anderthalb Jahren auch mit dem Tod beendet habe, als Mad George nach dieser Halloween Party in der Galerie für mich gelesen hat. Natürlich, Tod bedeutet VERÄNDERUNG...
Februar 1
HALLO WALLY
ich freue mich immer von Dir zu hören. Schön, dass Du noch an uns denkst. Wir sind noch dabei und haben eine Verlängerung für ein weiteres Jahr erhalten. Jetzt soll es erst richtig losgehen. Die letzten Monate waren die Vorarbeit, jetzt wollen wir Vermitteln und Leute in Läden versuchen reinzukriegen. Unsere Aktion sieht kurzfristige künstlerische Aktionen für bis zu 5 Monate vor, möglichst günstig bis umsonst und Jahresverträge gegen Betriebskosten - zusätzlich soll schon eine Gegenleistung erfolgen, nur eben nicht monetärer Art. So weit unsere Idee, jetzt müssen wir die Hausverwaltungen noch überzeugen, das wird unser Geschäft sein und mir graut noch ein wenig davor.
Wir haben viel gelernt in den letzten Monaten und Erfahrungen gesammelt, uns vernetzt und eine Reihe Ansprechpartner und Unterstützung erhalten.
Wenn Ihr Interesse habt, seid Ihr gerne zum 15. Februar in die Brotfabrik gegen 20.00 Uhr eingeladen. Hier wollen wir Interessierte einladen und unsere dezentrale Kooperative Weißensee mit weiteren Ideen befördern.
Erstmal Grüße,
Leerstandsinitiative Weißensee,
Kathrin Hülße.
E-mail: kontakt@leerstandsinitiative.de
Januar 17
MÖGLICHKEITEN
Aufgrund der Anzahl, des Aktionsradius, der Qualität der schieren Verrücktheiten der Events, genauso gut wie die vibrierende Künstlergemeinschaft und die ansässigen Unterstützer, mit denen Art Pub Wallywoods jetzt zu Hause angekommen ist, mit konstanten visuellen Veränderungen und merkwürdigen technischen Entwicklungen, welche oft jedermann, der gerade zur Tür reinkommt, in die verschiedenen Aspekte mit einbezogen, wird diesen Ort zu betreiben. Boss Tom ist fantastisch entspannt, sein Verhalten zu seinem leidenschaftlichem Lebensprojekt und sein unermüdliches Engagement: das charmante, aber bekloppte Jungs und Mädels Team, bestehend aus Persönlichkeiten, die an der Bar arbeiten, und ich gehe zuletzt davon aus, dass meine unermüdliche nie – langweilig – werdende kreative Energie, trotz (aufgrund) einem Haufen persönlicher Sorgen , hat das Pub mehr persönlichen Charakter und schon positive berüchtigte Geschichten, nicht wie all die trendy oder einfach gerade beliebten Bars, welche uns umgeben. Mann, sind diese Orte langweilig. Die kleben an ein oder zwei erfolgreichen Attraktionen und sie dekorieren NIE WIEDER. Aber auf die Sitze brauchen wir mehr Ärsche, hier, wenn Rechnungen rechtzeitig zu bezahlen sind oder nicht, im kommenden Jahr. Leute müssen die Einrichtungen in Kategorien einordnen, sie kommen rein bevor sie gehen, niemals zurückkehren, weil sie mit nichts besonderem in ihrem Verstand klar kommen. Sicher, das Pub ist ein netter Ort, um ein oder zwei Stunden oder einen Abend abzuhängen, die Wände, Gäste und Happenings sind GANZ NETT, danke sehr. Aber etwas fundamentales fehlt (ich meine nicht Werbung, was an sich etwas ist, wo ich dagegen bin, obwohl auch wahr genug, das allerkleinste Teil würde ganz sicher helfen). Etwas ganz einfaches. Und so habe ich eine Liste mit Möglichkeiten aufgestellt, die ich Sir Thomas zeigen werde, in der neuen Öffnungszeit um 6 Uhr Abends, diesen Abend. Die Zahl zehn ist meine Lieblingszahl.
1. oben ohne Personal.
2. eine wöchentliche TV Show.
3. Art Pub Bierdeckel.
4. freie Getränke für schwarze Frauen.
5. Fish and chips.
6. Nachmittagsdisco.
7. 24 Stunden Überwachung der Lounge und der Bühne über Internet.
8. Kunstauktionen mit jemandem, der ein bisschen berühmt ist.
9. Dating Service.
10. Happy Five Minutes.
Glückliche fünf Minuten bedeutet, jeden Tag zwischen 7 Uhr und 7 Uhr 5 abends gratis Getränke, gefolgt von halber Preis für die Drinks bis 7:30 abends. Wir müssen die Leute früher am Abend reinkriegen, so einfach ist das. Was meint ihr, Jungs? (Boss Tom brachte unglücklicherweise kein Danke heraus, zu verrücktes, zu riskantes. Ende für die reiche übereinstimmende brillianten Idee. Eins von diesen unzähligen klassischen Beispielen.)
Hier sind die Jungs.
Sir Thomas (Boss Tom. Fotograf, Ladies man und flotter Entrepreneur. Technisches Genie. Isst Papierarbeit. Begräbt viele trashy Ideen).
Prinz Pete aka der Punk Wissenschaftler (schüchterner Junge, kam zu Besuch und hat sich in Berlin verliebt, ist seitdem aufgeblüht und entschied sich zu bleiben und eine Familie zu gründen, schreibt jetzt ein Buch. Etwas schwul).
Maria (schöne junge Malerin und Sängerin mit einer samtenen Stimme aus ihrem eigenem Sibirischem Blues. Meistens Schwul).
Frau Puschel (schockierendes blondes Haar mit einer genauso schockierenden Zunge, und Herrin über aufsteigende Wichtigkeiten. Manchmal schwul).
Kim (enthusiastisch, gross und zuverlässiger Onkel Figur, Mann der Ideen und Coctailspezialist. Unauffällig, aber permanent schwul).
Guido (kämpfender Sänger- Liedermacher. Einmal hatte er einen schrecklichen Unfall. Langsam, aber solider Kerl hinter der Bar. Freundin spielt Schach).
Xandi Krohn (Schriftsteller, Künstler, Musiker, schon ein Intellektueller. Der einzige von hier stammende, der an der Bar arbeitet. Seine Freundin hat ihn gerade rausgeschmissen, aber er kommt darüber hinweg).
Zeppy, der Art Pub Koch (er weiss es noch nicht. Er hatte gerade seine erste Arbeitsschicht, letzte Woche und ist nicht wieder aufgetaucht. Musiker und Österreicher, aber in der Szene sehr geliebt. Freundin ist A.Moon, Exfreundin von Mad George).
Wally, aka Paradox Paul (das umstrittenste Mitglied im Team. Beide unentbehrlich und vollkommen überflüssig. Hatte nie einen Freund).
Januar 10
ART THERAPIE
Habe den Titel von „Gruppentherapie“ im KB in „Kunsttherapie“ geändert und das Thema „Wie höre ich mit dem Trinken auf“ in „Wie kann ein Künstler in Berlin Geld machen“. Das ist viel lustiger. Habe ein halbes duzend Künstler angerufen, Freunde und Bekannte (auch Musiker, Schriftsteller und Mad George, der Schauspieler der zu spät kam um behandelt zu werden) und ein Dutzend oder mehr kamen. Das ist zweimal mehr als letztes Mal. Sie sassen in dem Kreis von Stühlen, der auf der stillen Tanzfläche aufgestellt worden war, (es entstand ein perfekter Halbkreis mit Gästen und ein unperfekter Halbkreis mit leeren Stühlen), um an der angeblich seriösen, bis jetzt informellen, Diskussion teilzunehmen, welche Ken geleitet hat. Infamis René sagte später die Atmosphäre wäre stressig gewesen und wollte nicht bleiben. Auch Bert hat sich früh weggestohlen, er bevorzugt seine üblichen Biere ein paar Strassen weiter im Art Pub. Aber Joachim, auch anwesend gewesen bei der ersten (und letzten) „Gruppentherapie“, sagte, es war viel besser und hat im Ganzen funktioniert. Wally er selbst lauschte den Gesprächen auf der Bühne, während er gleichzeitig vom Pub eingelullt, an 'Cliff Falls' malte, das nie fertig sein wird. Der erste Plan war, es für wenig Geld anzubieten, so was wie 800 Scheine, was natürlich niemand im Raum zur Hand hat, die meisten, pissarme Künstler, dann zerhacke ich es in 80 Teile und verkaufe es für 10 Euro (eine Variation von events in Paradox Pauls „1001 Wege ein trendy Künstler zu sein“). Ich werde es nur tun, wenn der Raum eines Tages voll ist, wenn das jemals geschieht, oder ich werde wütend, was diese Tage zu jeder Zeit passieren kann; aber ich habe entschieden das Ding für weiteres zu lassen weil, ach, ich fange an es zu mögen. Ich habe es immer gemocht, wirklich, auf eine unbefriedigende Art und Weise, aber immerhin fange ich an, einen Tag zu sehen, an dem es fast fertig sein wird, das kann gut genug sein: und dann es an einem sonnigen weit in die Zukunft reichendem Datum für mindestens 4000 Euro zu verkaufen. ( Hier gibt es ein compressed Photoshop enhancement im Zentrum des Bildes, gerade von mir entdeckt in einem alten Ordner mit dem brauchbaren Namen „Pauls Akte“.) In der Mitte der Bühne war dieser Sockel hingeschmissen, der letztes Jahr für die Galerie gemacht worden war , von diesem sozialen Aussenseiter Edgar, der von guten Art Pub Freunden hergebracht worden war, ich schmierte vorne die Worte „für Wally, der arme Künstler“ drauf. Oben war in minimalistischer Art die alte rote Kassenkiste aus der Galerie; weit offen und leer, wie ein aufgerissener Mund. So blieb es bis zum Ende, ausgenommen, das mysteriöse Auftauchen eines 50 Cent Stückes und letzten Endes ein fünf Dollar Schein von Kim hineingeworfen, das letzte Mitglied vom Fart Pub Team (so nennt es jetzt Ken), er sagte er meinte, es würde andere ermuntern noch mehr reinzutun. Ha! Er weiss wenig von den Almosenempfänger, die ich zu diesen Dingen einlade. Prinz Pete wieder aus England zurück sagte, das war eine super kleine Aufstellung mit Klausie unter den anderen, der sich therapeutisch über das alte marsianische Keyboard geschmissen hatte. Ken, der nur Blödsinn reinschmiss, um die sonst scheinbar brauchbare Diskussion aufzuheitern, Birgit, die Psychologin, die ich neulich kennen gelernt habe, eine blonde Muschelbombe, hat viel geleistet, wie sie spontan mitgeholfen hat, Musikpausen, welche als 'Schocktherapie' gepriesen wurden, wo fast jeder auf den Marsianer schlugen und Alan von „Graham Clayton mit dem langen Namen“ auf seinen wütendem poets-rap; und, fast zu viel für die künstlerischen Gäste, ein paar italienische Programmierer oder irgend etwas, was gerade in Berlin gelandet ist, um ein Bier zu trinken, wurden von Ken gedrängt, dessen Verstand die ganze Zeit bedrängt wurde von einer fundamentalen Frage, „aber was ist deine ANGST?“ Unterdessen hat sich der, lustig bekiffte und ungewöhnlich entspannte, Wally, von Cliff Falls erleichtert, und sich zurück gewandt zum Geschehen in seiner ganze merkwürdigen Länge(?pp). Auch Thomas Franz, danke an die Beteiligten (Sänger-Songwriter), Peter Hecht (Bildhauer, Sänger-Songwriter), Johanna Martin (Malerin, Bildhauer) und Elvis Soundman.
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