21.10.09
"Lieber (Besirksamt Pankow),
Im Folgenden möchte ich mein Konzept für den weiteren Nutzen des ehem. Kulturhauses Peter Edel darstellen und hoffe auf Ihre Kenntnisnahme. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die Informationen so bald wie möglich an Frau Keil weitergeben könnten.
Der bislang gültige Vertrag zwischen der Galerie Wallywoods im Kulturhaus Weißensee und dem Bezirksamt Pankow wird am 31.Oktober 2009 auslaufen. Das Projekt Wallywoods war sowohl für die Stadtteilkultur, den gesamten Bezirk wie auch für mich persönlich eine außerordentlich produktive und erfolgreiche Erfahrung. Ermutigend war insbesondere das direkte Engagement lokaler und regionaler Künstler und Kunstschaffender, die sich auf diverse Weise aktiv an dem Projekt beteiligten.
Vor diesem Hintergrund ist das lokale wie regionale Interesse an der näheren Zukunft des Kulturhauses nur allzu verständlich. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre wurde aus verschiedensten Richtungen die Hoffnung geäußert, dass das Projekt so lange wie möglich den ansonsten eher kulturarmen Raum Weißensee bereichern möge. Dieses außerordentliche Interesse und die lokale Unterstützung veranlasst mich zu der Überlegung, meine Fähigkeiten als Künstler und Projektmanager weiterhin -- für einen befristeten Zeitraum vor meinem Rückzug aus Weißensee -- anzubieten. Dies ließe sich durch die weitere Anmietung und Nutzung des gesamten Kulturhauses ab dem 01.12.2009 realisieren -- Betriebskosten bis zu 4000 Euro würden monatlich von Paul Woods und Projektpartnern gedeckt.
Konkret beinhaltet mein Angebot, dass ich den Zeitraum von November bis Dezember für das Eventmanagement der nachfolgenden Monate nutzen werde, wobei die bislang geltende Miete in Höhe von 450 Euro an den Bezirk selbstverständlich gedeckt werden würde -- auch wenn für diesen Monat nicht die gesamten Räumlichkeiten des Kulturhauses, sondern nur die ehemaligen Wallywoods-Räume genutzt werden müssten. Ab Programmbeginn im Dezember werde ich (finanziert aus Projekteinnahmen - s.u. ) die Betriebskosten von bis zu 4000 Euro monatlich für das gesamte Gebäude tragen. Ich sage ferner zu, mich darum zu bemühen, seitens anderer Partner einen Beitrag zur verbleibenden Finanzierungslücke im November einzuwerben. Sollte dies nicht ausreichend realisierbar sein, werde ich die für November ausstehenden Kosten in kommenden Monaten selbstverständlich nachtragen und persönlich dafür haften. Insbesondere der Dezember und Januar mit den anstehenden Feiertagen garantieren ein großes Eventpotential und damit eine sichere Finanzierungsquelle, die den regulären Einnahmedurchschnitt überschreiten, und damit eventuelle vorherige Finanzierungsdefizite decken können.
Unterstützt durch die Kooperationen mit zahlreichen weiteren Kulturprojekten und unzähligen deutschen wie internationalen Künstlern (Musikern, Autoren, Performern, Tänzern etc.), mit denen Wallywoods in den mehr als fünf Jahren seiner Existenz enge kreative und bereichernde Verbindungen geschlossen hat, wird es problemlos gelingen, die bereits existierenden Gegebenheiten des gesamten Gebäudes durch ein abwechslungsreiches Programm an Workshops, Ausstellungen, Seminaren und Festivals zu bereichern. Dieses ist jedoch nur unter der Bedingung realisierbar, dass die Räumlichkeiten des Kulturhauses weiterhin zur Verfügung stehen werden.
Dieses Konzept stellt eine ideale Mischung aller vorheriger Nutzungsansätze des Kulturhauses dar: Es vereinbart die Avant-Garde-Künstler-Gemeinschaft Wallywoods mit dem "Generationshauses" ebenso wie die traditionell gegebene lokale Infrastruktur mit den neusten Konzepten der aktuellen Nachbarschaft (beispielhaft dargestellt in der unteren Auflistung). Die hier anvisierte Nutzung würde garantieren, dass erstens das ansonsten leere und dem Verfall ausgesetzte Gebäude vor der offiziellen Übergabe an die neuen Nutzer weiterhin aktiv genutzt, geheizt und versorgt würde. Zum Zweiten, dass das Bezirksamt die ansonsten ab November ausfallenden monatlichen Kosten decken könnte, und zum Dritten schließlich, dass das kulturelle Leben in Weißensee so lang wie möglich vor dem Baubeginn im Laufe des Jahres 2010 aufrecht erhalten werden würde -- ein Konzept, von dem nicht nur der Stadtteil Weißensee, sondern ebenso der gesamte Bezirk Pankow, und schließlich das kulturelle Leben der Stadt Berlin als solcher bereichert werden würde.
Das Konzept zur weiteren Nutzung des Kulturhauses Weißensee im Einzelnen dargestellt:
Verteilung der Räumlichkeiten / jedes in Kooperation mit einem Team-leader
Konzerthalle (Programm und Workshops)
Jazzhalle (Programm und Workshops)
2 Galerien (einmal pro Woche eine Vernissage)
Büroetage: Büronutzung (Organisation der Seminare und Workshops)
Umweltbüro (Kinder-, Familien-Workshops)
Kellernutzung: Arbeitsräume, Workshops, Proberäume für Bands)
Wöchentliches Programm Schwerpunkte / großer Saal
Montags: Film
Dienstags: Kunst & Performance
Mittwochs: Kinder & Jugend
Donnerstags: Jazz
Freitags: Ballhaus
Samstags: Bands & Djs
Sonntags: generationsübergreifende kreative Teestunde
Workshops
Offset-Druckerei / Computer / Diverse Musikinstrumente / Aktzeichnen /Theater / Puppentheater / Kinder-/Familienangebote / Schlagzeug / Experimentelle Musik / Tanzen / Meditation / Keramikarbeiten / Astrologie / Fahrrad-Workshop / Berlin Big Chairs / Das Kaputte Klavierorchester / Fashion-/T-Shirt-Drucken / Hausaufgaben-Nachhilfe (Mathe, Physik, Englisch) / Bücherei / Kreatives Schreiben / Fotographie/Dunkelkammer
Weitere Nutzung:
"Eine kleine Armee von Praktikanten und Freiwilligen!"
Vermietung von Räumlichkeiten für private Veranstaltungen (Geburtstage, Hochzeiten, Kinderfeiern etc.)
Untervermietung von Räumlichkeiten für gewerbliche Zwecke (Tv, Film, Musikvideos etc.)
Wöchenendliche Kunst- und Flohmärkte (Terrasse, Foyer, großer Saal)
Café ("Kaffee, Kuchen und Kunst!")
Bar (großer Saal, Jazz Saal, Vernissagen)
Kiez-Kiosk (Lokaler Shop für Zeitungen, ökologische Lebensmittel etc.)
Mit freundlichen Grüßen,"
Woods, 17.10.09